Mehr Transparenz für Daten

Österreich muss bei der Informationstransparenz und Datenqualität im Gesundheitswesen aufholen, sagt ein Forscherteam aus Innsbruck.

von
Anna
Engberg

Wissenschaftler aus Innsbruck haben in einer neu veröffentlichten Studie auf die teils sehr isolierte und unklare Datenlage und das fehlende Qualitätsmanagement bei Datenerhebungen im Österreichischen Gesundheitswesen aufmerksam gemacht.

Das Projekt zur Qualitätsmessung im Österreichischen Gesundheitswesen, das die Forschergruppe seit 2018 leitet und noch bis 2021 weiterführt, wird vom Wissenschaftsfonds (FWF) gefördert.

DER HINTERGRUND

Für ihre Bilanz werteten die Forscher Routinedaten wie Krankheitsbilder und Behandlungsformen aus dem 2013 eingeführten System zur Qualitätsmessung von stationären Krankenhausaufenthalten aus.

Dabei bezogen sie sich auf vorhandene Qualitätsindikatoren (Austrian Inpatient Quality Indicators, kurz A-IQIs) wie z.B. Versorgungsverläufe, Komplikationsraten und Sterbefälle, die im jährlichen Report des Österreichischen Gesundheitsministeriums veröffentlicht werden.

Das derzeitige Qualitätssystem sei „weder ein Instrument des internen Qualitätsmanagements noch das eines der Patienteninformation“, schrieben die Innsbrucker Wissenschaftler in ihrer Veröffentlichung.

Demzufolge gibt es keine ausreichende Dokumentation von der Kooperation der Gesundheitsversorger untereinander und keine oder nur unzureichende Analysen der poststationären Versorgungspfade.

Bemängelt wurde von den Wissenschaftlern u.a. auch die zu grobe Datenerhebung, der fehlende Zugang zu Daten wie auch das Fehlen kontextrelevanter Informationen bei Statistiken: so seien etwa die Vorerkrankungen bei Corona-Sterbefällen nirgendwo adäquat erfasst worden.

WAS GESAGT WURDE

„Die medizinischen Daten, mit denen in Österreich im Augenblick operiert wird, sind nicht ausreichend“, sagte der an der Studie beteiligte Albrecht Becker, Professor für Management Accounting von der Universität Innsbruck.

Sylvia Jordan, ebenfalls Professorin für Management Accounting am Institut für Organisation und Lernen der Universität Innsbruck und Leiterin des FWF-Projekts, bemängelte: „Bei den A-IQIs geht es um Ergebnisqualitätsmessung, wobei es keine Einigkeit darüber gibt, was Ergebnis bedeutet und welche Standardwerte dafür gelten sollen (…)

Die Krankenhaus-Fälle werden in relativ groben Kategorien erfasst. Das ist beispielsweise in Deutschland anders, wo es im Prinzip das gleiche System gibt, aber dieses detaillierter ist.“ Es gebe somit kaum Vergleichbarkeit in Bezug auf Mortalität zwischen Deutschland und Österreich, betonte Jordan.

„Es gibt Lernmöglichkeiten, die jetzt nicht genutzt werden, um etwa zu verstehen, warum sich etwas nicht vergleichen lässt“, bilanzierte Jordan mit Blick auf den potenziellen internationalen Ländervergleich.

Die Wissenschaftlerin hofft, dass mit der Corona-Krise wissenschaftliche und gesellschaftliche Lernprozesse in Gang gesetzt werden können, indem Daten im Hinblick auf die Bedingungen ihrer Erstellung betrachtet und transparent diskutiert werden.

Weitere Informationen erhalten Sie HIER

 

Auch für Sie interessant

Your search returned no results.