Welche Rolle spielen Daten und Technologie bei der Neugestaltung des Gesundheitswesens?

Vor kurzem wurden in Helsinki Beispiele aus Schottland, Finnland, Schweden und Brasilien präsentiert.

Die Gesundheitssysteme befinden sich weltweit im Wandel, daran bestehe keine Zweifel, ist Dr. Charles Alessi, Chief Clinical Officer bei HIMSS, überzeugt. Steigende Erwartungen der Patienten als Verbraucher, Veränderungen bei den Gesundheitstrends, die alternde Gesellschaft und der Fachkräftemangel seien nur einige der Schlüsselfaktoren für den dringenden Änderungsbedarf.

„Die Frage ist jedoch nicht, ob sich das Gesundheitswesen verändert, sondern in welchem Tempo“, sagte Dr. Alessi kürzlich auf einer von Microsoft organisierten Veranstaltung, die im Vorfeld der HIMSS & Health 2.0 European Conference im Juni in Helsinki stattfand.

Das nordische Land verfügt im Moment über einige der heißesten Health-Tech-Initiativen und Start-Ups, und was es so einzigartig darin macht, die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen, sind seine Daten, erklärt Juha Tuominen, Chief Executive vom Universitätsklinikum Helsinki (HUS), des zweitgrößten Arbeitgebers in Finnland, dem u.a. 17 Krankenhäuser in der Hauptstadt sowie in den Städten Espoo und Vantaa angehören.

„Der Datenpool, den wir haben, ist enorm“, sagte Tuominen auf der Microsoft-Pressekonferenz den Journalisten. „Obwohl die finnische Bevölkerung mit unter sechs Millionen sehr klein ist, leben hier in unserer Region zwei Millionen Menschen. Wenn Sie bedenken, dass wir bereits seit 50 Jahren Labordaten von diesen zwei Millionen Menschen sammeln, bedeutet dies, dass der entstandene Datenpool wirklich groß ist. Mit den medizinischen Daten haben wir 1991 begonnen, und es hat ungefähr zehn Jahre gedauert, bis das gesamte Krankenhaus wirklich abgedeckt war, (…) wir haben dort also Geschichte, viel Geschichte“, fügte der CEO hinzu.

Aber auch in Finnland gibt es noch Herausforderungen.

„Der normale Patientenpfad und sein Verlauf müssen weitgehend digitalisiert werden, und so weit sind wir noch nicht“, sagte Tuominen. Patienten könnten zwar beispielsweise online Termine buchen und vor oder nach ihren Operationen Fragebögen ausfüllen, diese würden jedoch nicht als „eine Dienstleistung“ dargestellt.

„Es ist keine reibungslose, nahtlose Kette“, sagte der Chief Executive. „Für einen Kunden ist es wie ein Süßigkeitenladen. Sie können verschiedene Süßigkeiten auswählen, aber es ist kein vollständiges Menü, das Sie essen würden. Meine erste Vision ist, dass die gesamte Kette nahtlos sein wird und muss.“

Verwendung von Daten, um früher behandeln zu können

Eine beispielhafte Innovation, die die Bürger in Finnland in die Lage versetzt, ein gesünderes Leben zu führen und die Kontrolle über ihre Behandlung zu übernehmen, ist die Health Villages Initiative, die im Rahmen des 2018 ausgelaufenen zweijährigen Projekts „Virtual Hospital 2.0“ gestartet wurde. Die Health Villages-Plattform besteht aus drei Online-Portalen: eines für alle Bürger, eines, das Patientengruppen Dienstleistungen aus verschiedenen Fachbereiche anbietet und eines, das Tools für Angehörige der Gesundheitsberufe umfasst.

Virpi Rauta, Nephrologe am HUS und Projektmanager für das nationale Nierenzentrum der Health Villages, sagte, dass die Plattform mittlerweile rund eine halbe Million Besucher pro Monat habe. Während der Projektlaufzeit waren rund 1.760 Fachleute an der Entwicklung beteiligt, und täglich greifen durchschnittlich 14.000 Menschen auf die Plattform zu.

Weitere Initiativen, die während des Tages bei dem Briefing gezeigt wurden, waren unter anderem die Arbeit am Karolinska Universitätsklinikum. Dort arbeitet seit 2018 ein Team zusammen mit Microsoft und anderen Industriepartnern an einem Projekt unter Einsatz eines KI-Roboters, VR und Gamification, um die Angst von Kindern in Krebstherapie, ihren Familien und Angehörigen zu reduzieren.

In Schottland haben NHS Greater Glasgow und Clyde im Rahmen einer Studie tragbare Geräte und die Azure-Cloud-Plattform von Microsoft für COPD (ein Oberbegriff für eine Gruppe von Lungenerkrankungen, die Atembeschwerden verursachen) im Zuhause von Patienten eingesetzt mit dem Ziel, hierdurch die Anzahl der Krankenhauseinweisungen nebst den Kosten zu reduzieren.

„Es geht darum, mit Hilfe von Daten frühzeitigere Behandlungen zu ermöglichen“, sagte Chris Carlin, Berater für Atemwegserkrankungen an der schottischen Gesundheitsbehörde. „Wenn wir Patienten befähigen können, ihre Erkrankung selbst zu managen, können wir die Krankenhauseinweisungen erheblich reduzieren. Im Rahmen dieses Selbstmanagements kann ihnen bei der Atmung geholfen werden, die bestehende Behandlung ausgeweitet bzw. eine neue Behandlung vorschlagen werden. Ebenso kann sich der Patient an das auf die Atemwege spezialisierte Team der Community wenden.“

Inzwischen arbeitet Microsoft auch mit der Novartis Foundation und der Oswaldo Cruz Foundation in Brasilien zusammen, um einen Algorithmus für maschinelles Lernen zur Früherkennung von Lepra zu entwickeln. Die jüngsten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen, dass 2017 weltweit mehr als 200.000 Menschen mit der Krankheit diagnostiziert wurden.

Während sich die Interessengruppen auf der ganzen Welt weiterhin um die Einführung digitaler Technologien bemühen, betonte Nicola Bedlington, Generalsekretärin des Europäischen Patientenforums, dass die Stimme des Patienten eine entscheidende Rolle beim Entwurf, der Entwicklung und dem Einsatz neuer Instrumente spielen muss. Letztendlich werde die im Gesundheitswesen erforderliche Innovation auf Vertrauen aufbauen, das als „Gatekeeper“ gesehen wird, argumentierte Elena Bonfiglioli, Microsoft-Führungskraft im Gesundheitswesen in der EMEA-Region.


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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Leontina Postelnico, erschienen bei Healthcare IT News. Der Bericht wurde im finnischen Helsinki auf einer von Microsoft bezahlten Reise, die Flugpreise und Unterkunft für Reporter umfasste, verfasst. Healthcare IT News hat gegenüber Microsoft keine Zusagen bezüglich Inhalt oder Umfang der Berichterstattung gemacht. Healthcare IT News ist eine Publikation von HIMSS Media.

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