Ist Interoperabilität eine nationale Aufgabe?

Der Ruf nach geänderten Rahmenbedingungen in puncto Interoperabilität wird immer lauter. Durch sie könnten die mit der Digitalisierung verbundenen Vorteile besser ausgeschöpft werden. Der Deutsche Interoperabilitätstag hat hierbei eine wichtige Stimme.

von
Cornelia
Wels-Maug

Die Vernetzung des Gesundheitswesens geht nicht ohne die technische, semantische und organisatorische Interoperabilität. Zur Förderung des Dialogs zwischen den Akteuren des Gesundheitswesens fand deshalb im Rahmen des IHE Europe Connectathons 2016 der erste Deutsche Interoperabilitätstag (DIT) statt. Der große Anklang, den die Veranstaltung hervorgerufen hatte, veranlasste den Bundesverband Gesundheits-IT  ̶  bestehend aus bvitg e.V., HL7 Deutschland, IHE-Deutschland und die ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH  ̶  dieses Jahr zum 2. Deutschen Interoperabilitätstag einzuladen. Er fand erstmalig in Kombination mit der HL7/IHE-Jahrestagung in der zweiten Oktoberhälfte statt.

„Mit dem 2. Deutschen Interoperabilitätstag führen wir den notwendigen Diskurs um die Vernetzung von technischen und organisatorischen Systemen fort. Das Bewusstsein für die Mehrwerte der Interoperabilität muss gestärkt und entsprechende Rahmenbedingungen für die Nutzung von internationalen Standards geschaffen werden. Konkrete Anknüpfungspunkte bieten z. B. das Zusammenführen der Informationen aus den Krebsregistern der Länder sowie die Schaffung eines nationalen Implantateregisters,“ illustriert Zilch ein mögliches Anwendungsbeispiel.

„I“ für Interoperabilität und Innovation

„Interoperabilität ist die Voraussetzung für eine innovative Gesundheitsversorgung. Mit dem Deutschen Interoperabilitätstag wollen wir den Fokus darauf lenken, dass die Zukunft im systemübergreifenden Austausch von Daten liegt und hierzu bestimmte Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen – insbesondere vor dem Hintergrund der Einführung der elektronischen Patientenakte“, verdeutlicht Sebastian Zilch, bvitg-Geschäftsführer, die Absicht des DIT.

Der Fokus der diesjährigen Tagung lag neben der elektronischen Patientenakte auch auf der Standardisierung in Deutschland, der personalisierten Medizin in Versorgung und Forschung und klinischen Registern. Dabei hielten bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Selbstverwaltung, Industrie und Anwender Vorträge, in denen sie darlegten, welche Möglichkeiten einer effizienteren Gesundheitsversorgung sich eröffnen, wenn eine bessere Vernetzung der verschiedenen Systeme vorliegt.  

Dabei sei die Einführung der elektronischen Patientenakte momentan einer der wichtigsten Schritte, stimmten die Experten und Expertinnen des Themenblocks ePatientenakten überein. „Die Vorträge verdeutlichen, welches Potenzial durch den Einsatz von elektronischen Patientenakten für die Patientenversorgung frei wird und welche Anforderungen dafür erfüllt sein müssen. Es fehlt an flankierenden Verbesserungen der Rahmenbedingungen, damit sich eine einrichtungs- und sektorübergreifende Kommunikation für die Akteure auszahlt. Es braucht das Ziehen der notwendigen Hebel von den Entscheidern im Gesundheitswesen. Dafür werden wir uns auch weiterhin engagieren“, so Lars Treinat, ZTG-Geschäftsführer, Geschäftsbereich Telematik, und Moderator der Vortragsrunde.

Und wie geht es weiter?

Alexander Ihls, IHE Deutschland-Gründungsvorsitzender, legte den Finger auf den wunden Punkt, in dem er die Frage stellte, welche Rolle der Staat beim Thema Interoperabilität spielen solle: „Im Fokus sollte stehen, wie Interoperabilität in Deutschland künftig neu aufgesetzt wird. Ich denke, es gilt die Frage zu klären, inwieweit Interoperabilität eine nationale Aufgabe ist, für die der Staat die Rahmenbedingungen setzen muss.“

Prof. Dr. Sylvia Thun, Vorsitzende von HL7 Deutschland, betonte, wie wichtig es zum Wohle kranker Menschen sei, Forschung, Versorgung und Public Health zusammenzuführen und dass dies nur mittels Interoperabilität gehe: „Dies kann nur funktionieren, wenn wir eine einheitliche Sprache sprechen. Im Zuge dessen wird die Medizininformatik-Initiative, die Kliniken und Forschungseinrichtungen miteinander vernetzt, Herzstück unserer Arbeit in den nächsten Jahren sein. Unser erklärtes Ziel ist es, dass die MI-Initiativen mit bestehenden Netzwerken wie zum Beispiel dem Interoperabilitätsforum von IHE/HL7, DIN, bvitg und GMDS zusammenarbeitet“, verdeutlicht Thun.

Das Feedback der Teilnehmer war zumindest so positiv, dass eine Fortsetzung der Veranstaltung in 2018 bereits angedacht ist. Noch wünschenswerter wäre es, wenn sich bis dahin die Rahmenbedingungen verbessert hätten.

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