Wearables laut Studie zuverlässig zur Bestimmung des Mortalitätsrisikos

Mit der Erfassung von Daten durch Beschleunigungsmesser ist es Forschern jetzt gelungen, das Mortalitätsrisiko von Erwachsenen um 30 bis 40 Prozent präziser einzustufen als mit Daten zum Raucherstatus oder zur Patientengeschichte bei Schlaganfall oder Krebs.

Wearable-Gesundheitsgeräte können ein genaues Bild des allgemeinen Gesundheits- und Mortalitätsrisikos bei älteren Erwachsenen liefern. Dies geht aus einer von der US-Regierung finanzierten Studie hervor, die von Forschern der Johns Hopkins University School of Medicine durchgeführt und in der Oktober-Ausgabe des „Journal of Gerontology: Medical Sciences“ veröffentlicht wurde.

WARUM DIES WICHTIG IST

Die Studie legt nahe, dass tragbare Geräte wie Fitness-Tracker, smarte Gesundheitsuhren, Herzfrequenzmonitore und GPS-Tracking-Geräte wichtige Prädiktoren für die Mortalität effizienter bereitstellen als Patientenbefragungen und andere Methoden.

Die Teilnehmer der Johns Hopkins-Umfrage trugen sieben Tage hintereinander einen Beschleunigungsmesser an der Hüfte, der nur beim Schlafen, Duschen oder Schwimmen abgenommen wurde.

Die von den Beschleunigungsmessern gewonnenen Daten ermöglichten es den Forschern, das Mortalitätsrisiko um 30 Prozent präziser einzustufen als mit Informationen über den Raucherstatus und um 40 Prozent genauer als mit Informationen darüber, ob eine Person in der Vergangenheit einen Schlaganfall erlitten hat oder an Krebs erkrankt war.

Aufgezeichnete Daten zur körperlichen Aktivität erwiesen sich als genauere Methode zur Einschätzung des 5-Jahres-Todesrisikos bei älteren Erwachsenen als herkömmliche Prädiktoren wie Krebs oder Herzerkrankungen, Rauchen, Alkoholkonsum oder Diabetes in der Anamnese.

Dies deutet darauf hin, dass Ärzte die von einem Fitbit oder einer Apple Watch aufgezeichneten Daten verwenden können, um die körperliche Aktivität zu bewerten und auf Basis dieser Daten einzugreifen als einer potenziellen Möglichkeit die Gesundheit von Patienten zu verbessern.

Außerdem stellten die Forscher fest, dass Wearable-Technologie auch die Leistung bei der Vorhersage des Mortalitätsrisikos verbessern könnte.

DER GRÖSSERE TREND

Die offizielle Bekanntgabe von Google über die Akquisition von Fitbit, über die bereits seit langem gemunkelt worden war, belegt die Überzeugung des Technologieriesens hinsichtlich der klinischen Integrität von Wearables – und des Nutzens der von ihnen generierten Daten für die Verbesserung der klinischen Ergebnisse in Krankenhäusern und Gesundheitssystemen und der qualitätsorientierten Versorgung von Patienten.

Gleichzeitig mit der Veröffentlichung der Johns Hopkins-Studie weisen die Ergebnisse einer Umfrage, die vom American College of Sports Medicine mit mehr als 3.000 Gesundheits- und Fitnessprofis durchgeführt wurde, darauf hin, dass Wearable Tech im Jahr 2020 der Top-Trend in Sachen Fitness sein wird.

Laut einem Bericht von The Manifest vom Oktober gaben mehr als ein Drittel der über 500 befragten Benutzer von Wearables (38 Prozent) an, dass die Dokumentation von Trainingsübungen der primäre gesundheitsbezogene Nutzen bei der Verwendung von Wearables seien. Mehr als ein Viertel der Befragten (26 Prozent) verwendeten die Geräte zur Priorisierung der Überwachung der Herzfrequenz und anderer Vitalfunktionen.

Da die von Computerhardware gesammelten Daten zunehmend wertvoller werden als die Hardware selbst, sollten traditionelle Hersteller von Diagnose- und Medizinprodukten laut einem Bericht von Deloitte vom September mit Entwicklern von Sensoren und Analysetools zusammenarbeiten.

Diese Studie deutet auch darauf hin, dass Unternehmen aus der Gesundheitstechnologie in den kommenden Jahren verstärkt Partnerschaften mit Unternehmen aus der Verbrauchertechnologie eingehen werden, während traditionelle Hardwareanbieter enger mit Entwicklern tragbarer Geräte für Fitness- und Wellness-Tracking zusammenarbeiten.

ZUR DATENERFASSUNG

„Personen können bei Umfragen überschätzen oder unterschätzen, wieviel und wann sie sich bewegen, tragbare Geräte liefern dagegen genaue Daten, die Voreingenommenheiten und Vermutungen ausräumen“, so Jacek Urbanek, stellvertretender Professor für Medizin an der Johns Hopkins University School of Medicine und Mitglied des Forschungsteams, in einer Erklärung. „Die Technologie ist leicht verfügbar und relativ kostengünstig, sodass es realistisch erscheint, sie für den Einsatz in der Arztpraxis zu empfehlen.“ 


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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Nathan Eddy, erschienen auf der englischsprachigen Version von Healthcare IT News.

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