Verbesserung der Nachsorge von Schlaganfallpatienten

Der „PostStroke-Manager“ verspricht eine besser koordinierte Langzeitbetreuung von Schlaganfallpatienten nach der Akutphase. Dadurch sollen deren berufliche Wiedereinstiegschancen sowie ihre Selbstbestimmung und Gesundheitskompetenz verbessert werden.

Mit der Übergabe des Fördermittelbescheids in Höhe von rund 2 Millionen Euro hat das sächsische Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz den Startschuss für ein Projekt zur koordinierten Langzeitbetreuung von Schlaganfallpatienten gegeben. Im Rahmen des sogenannten „PostStroke-Manager“ Piloten werden Neurologen, Informatiker sowie Allgemeinmediziner über die nächsten dreieinhalb Jahre gemeinsam daran arbeiten, ein digitales und mobiles System zur nachhaltigen Unterstützung von Schlaganfallpatienten aufzubauen. Federführend bei dem Projekt sind Wissenschaftler der Universitätsmedizin Leipzig und des Instituts für Angewandte Informatik (InfAI).

Fokus auf die Langzeitnachsorge

Laut der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe erleiden in Deutschland jährlich rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Zwar hat sich die Qualität der Akutbehandlung von Schlaganfallpatienten in den vergangenen zwei Dekaden stark verbessert, aber die Nachsorge sei insbesondere im Langzeitverlauf noch verbesserbar – das zumindest meinen die Leipziger Wissenschaftler. Dafür ist es entscheidend, für jeden Patienten das am besten für ihn geeignete Rehabilitationsangebot auszuwählen, die exakte Medikamenteneinnahme sicherzustellen, als auch seine Vitalparameter streng zu überwachen, um dadurch das Risiko eines weiteren Schlaganfalls so gering wie möglich zu halten.

PostStroke-Manager will Versorgungslücke schließen

Und genau dort setzt das auf die Langzeitkoordination ausgelegte Konzept des PostStroke-Managers an: „Durch dieses Projekt wird es gelingen, mittels digitaler Prozesse die Nachsorge der Patienten mit Schlaganfall weiter zu verbessern. Gerade die Prävention von erneuten Schlaganfällen ist dabei wichtig“, sagte Barbara Klepsch, sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, anlässlich der Übergabe des Fördermittelbescheids. „Durch eine individuell angepasste medikamentöse Vorbeugung auf Basis der erfassten Daten kann die Wahrscheinlichkeit für einen zweiten Schlaganfall und für Folgeerkrankungen reduziert werden“, verdeutlichte sie.

Dabei soll der PostStroke-Manager so gestaltet werden, dass er Schlaganfallpatienten ein Leben lang begleiten kann. Er verfolgt das Ziel, deren Wiedereinstiegschancen in den Beruf zu erhöhen sowie deren Selbstbestimmung und Gesundheitskompetenz zu stärken. Die Lösung kann als Ergänzung zur Schlaganfalllotsenbetreuung, aber auch eigenständig nach einem Schlaganfall eingesetzt werden, zum Beispiel in Regionen ohne etabliertes Schlaganfalllotsenprogramm. In einer Pilotstudie wollen die Wissenschaftler ein Webportal und eine Patientenapp testen und validieren, um herauszufinden, wie sie von Patienten angenommen werden und welche Auswirkungen im kurzfristigen Verlauf, beispielsweise auf die Lebensqualität der Betroffenen, zerreichbar sind.

Bündeln von Informationen mittels Webportal und App

Im Rahmen des Projektes werden die beteiligten Wissenschaftler gemeinsam mit Partnern sowohl ein Webportal als auch eine App für die Patienten entwickeln. Das Portal soll den Behandlern ermöglichen, auf Behandlungsdetails und Informationen über den Gesundheitszustand des Patienten zu erhalten und miteinander zu teilen, um Informationslücken zu schließen: „Wir wollen damit ein Netzwerk spannen, das den Patienten auch außerhalb des Krankenhauses bestens versorgt. Ziel ist es, die Defizite nach dem Schlaganfall besser abzubauen und gleichzeitig zu verhindern, dass neue Ereignisse nachkommen“, äußerte sich Prof. Dr. Dominik Michalski, Projektleiter und Wissenschaftler an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Neurologie des Universitätsklinikums Leipzig.

Zur besseren Beobachtung der Schlaganfallpatienten soll eine App realisiert werden, die Vitalparameter überwacht und den Alkohol- und Nikotinkonsum sowie die Medikamenteneinnahme erfassen kann. Gleichzeitig sollen mittels Sensoren an den Handgelenken die Bewegungsmuster eines Patienten aufgezeichnet werden. Diese und weitere für die Erkrankung relevante Informationen sollen im PostStroke-Manager zusammenlaufen: „Wir entwickeln ein patientenzentriertes System, bei dem auf der Basis multimodaler Daten aus verschiedenen Quellen und neuartigen Algorithmen individuelle Lösungen ermöglicht werden. Die Patienten bleiben Eigentümer ihrer Daten und können festlegen, mit wem sie die Informationen teilen möchten. Im Konzept von PostStroke-Manager sind strenge Datenschutzregeln integriert“, erklärte Prof. Dr. Galina Ivanova, Projektleiterin und Direktorin des Interdisziplinären Kompetenzzentrums Biomedical Data Science (BDS) des InfAI.

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cwm

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