Fernmündliche Diagnose und Behandlungen gehen in Baden-Württemberg 2018 an den Start

Ohne Handschlag: Der Arzt-Patienten-Kontakt ausschließliche über Telefon oder Internet ist nun auch hierzulande möglich: Als einzige Firma in Deutschland bietet TeleClinic im Rahmen eines Modellversuchs ihre Plattform für ärztliche Diagnosen und Rezepte an.

von
Cornelia
Wels-Maug

Bislang untersagten die diversen Landesärztekammern (LÄK) den Ärzten in den von ihnen formulierten Landesberufsordnungen das Stellen von Ferndiagnosen und -behandlungen. Einzig die LÄK Baden-Württemberg schlug einen anderen Pfad ein: Als erste LÄK Deutschlands öffnete sie ihre Berufsordnung im Juli 2016, als sie dazu einlud, Modellprojekte zu Ferndiagnosen und -behandlungen einzureichen. Seitdem ist es möglich, evaluierte Modellprojekte, die die Kammer allerdings genehmigen muss, aufzusetzen.

„Wir betreten Neuland“

Ende Oktober 2017 hat die LÄK Baden-Württemberg das erste Modellprojekt zur ausschließlichen Fernbehandlung von Patienten genehmigt; es geht nun im Januar 2018 an den Start und ist auf eine Dauer von zwei Jahren angelegt. Hinter dem Projekt stehen das Münchner Start-up TeleClinic GmbH sowie zwei private Krankenversicherungen. "Wir betreten damit Neuland", erläutert Dr. Ulrich Clever, Präsident der LÄK Baden-Württemberg. Er betont, dass der Genehmigung eine sorgfältige Prüfung vorausgegangen sei. Dabei habe der sogenannte "verantwortliche Arzt" gegenüber der Kammer garantiert, dass ausschließlich Ärzte aus Baden-Württemberg eingesetzt werden und dass der Facharztstandard sowie festgelegte Dokumentationspflichten eingehalten werden.

Dabei ist die TeleClinic an sieben Tagen der Woche für ihre Patienten da und bietet sowohl allgemeinmedizinische als auch fachärztliche Leistungen an. Dabei reicht das Spektrum von Diagnose und Therapie bis hin zur Einholung einer ärztlichen Zweitmeinung sowie Beratung hinsichtlich bestehender Therapien und Medikationen. Das Arztgespräch kann dabei per Videochat oder Telefon stattfinden, ohne dass vorher ein physischer Kontakt zum Patienten stattgefunden haben muss. Außerdem will das Unternehmen zeitnah Onlinerezepte einführen, einem weiteren Novum in Deutschland. Hierfür will die TeleClinic mit Onlineapotheken kooperieren.

Fernbehandlung für alle Versicherten im Ländle

Das Angebot der TeleClinic, das in der Cloud der Telekom gehostet wird, richtete sich zwar zunächst nur an Privatpatienten, wurde aber mittlerweile für alle Versicherten geöffnet: Das Projekt „Docdirekt“, an dem TeleClinic wiederum beteiligt ist, offeriert gesetzlich Versicherten – voraussichtlich im März und zunächst in den Regionen Stuttgart und Tuttlingen – dieselben Leistungen wie den Privatversicherten. Jedoch übernehmen bisher nur sieben private Krankenversicherungen die Kosten für diese Leistungen, weitere Kooperationen sind aber in der Planung.

Ausschließliche Fernbehandlung ist ansteckend

Die Fernbehandlung von Neupatienten, die in einigen anderen europäischen Ländern wie Schweden und die Schweiz schon länger erfolgreich praktiziert wird, findet aber auch Anhänger über die Landesgrenzen Baden-Württembergs hinweg. Im Dezember entschied der Bayerische Ärztetag, dass eine alleinige Fernbehandlung unter definierten Voraussetzungen möglich werden könnte.

Und auch auf Bundesebene gibt es ein Umdenken: Die Bundesärztekammer war beim 120. Deutschen Ärztetag, der im Mai 2017 in Freiburg stattfand, aufgefordert worden, zu überprüfen, inwieweit die Musterberufsordnung im Hinblick auf Fernbehandlungen ergänzt werden muss. Die neue Formulierung, die noch des Segens des Vorstands bedarf, soll eine Behandlung rein über Kommunikationsmedien ohne vorherigen persönlichen Patientenkontakt in Ausnahmefällen ermöglichen.

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