Organspendegesetz führt Widerspruchslösung in England ein

Während in Deutschland weiterhin die Entscheidungslösung mit expliziter Einwilligung zur Organspende gilt, treten in England nun im Mai entscheidende Änderungen in Kraft. Der Grund: aktuell befürworten 80 Prozent der Briten die Organspende, doch nur 38 Prozent haben per Opt-In ihr explizites Einverständnis dafür erklärt.

Am 15. März wurde die Organspende in England offiziell auf eine Widerspruchslösung (Opt-out-Regelung) umgeändert. Dies bedeutet, dass alle Erwachsenen in England mit wenigen Ausnahmen automatisch als potenzielle Organspender gelten, sofern sie sich nicht aktiv dafür entscheiden, ihre Organe nicht zu spenden.

Dies ist das Ergebnis der Umsetzung aus dem Gesetz von Max und Keira, das 2019 verabschiedet wurde und am 20. Mai 2020 in Kraft treten wird.

WARUM DIES WICHTIG IST

Bis zu diesem Zeitpunkt war das Organspenden in England durch eine Opt-in-Regelung, d.h. nur unter Zustimmung möglich. Dabei war das Interesse bei weitem größer als die aktive Handlung. Entsprechend unterstützen zwar etwa 80 Prozent der Bevölkerung in England das Spenden, doch nur 38 Prozent erteilen explizit ihre Zustimmung.

Ausgehend von einer Zustimmungsvermutung könnten jährlich bis zu 700 Menschenleben gerettet werden. Es würde zudem den Hinterbliebenen von kürzlich verstorbenen Menschen erspart bleiben, eine schwierige Entscheidung bezüglich des Körpers des Verstorbenen treffen zu müssen. Derzeit entscheidet sich weniger als die Hälfte der Familien für das Spenden, wenn ihnen die Wünsche des Verstorbenen nicht bekannt sind.

Ausgeschlossen vom Gesetz sind Kinder unter 18 Jahren, Personen die nicht geistig in der Lage sind, die Systemveränderungen im Vorfeld ihres Todes zu verstehen, und Personen, die ein Jahr vor ihrem Tod nicht in England gelebt haben.

Durch die Aufzeichnung der Zustimmung im NHS-Organspenderegister, einer leicht navigierbaren Online-Ressource, können Fachkrankenschwestern die Wünsche des Patienten leichter erfüllen, den zeitkritischen Prozess beschleunigen und möglicherweise Leben retten.

Ein Widerspruch ist weiterhin über das Register möglich, und auch nach der Umsetzung des Gesetzes werden die engen Angehörigen noch bezüglich dieser Entscheidung herangezogen. Es gibt keine Frist, um eine Entscheidung einzutragen und Entscheidungen können zu einem späteren Zeitpunkt auf der Plattform geändert werden.

DER GRÖSSERE TREND

Das neue Gesetz wird die Wartezeit derjenigen kürzen, die eine Spende benötigen. Derzeit stehen über 6.000 Personen auf der Warteliste für eine Transplantation und täglich stirbt mindestens eine Person, die auf der Liste steht. Zum weiteren Verständnis: die durchschnittliche Wartezeit für eine Niere, dem am häufigsten benötigen Spenderorgan, beträgt 2,5 bis 3 Jahre bis zur Transplantation.

Die Organspende erfordert ein ganz spezielles Vorgehen. Da in Großbritannien nur einer von 100 Todesfällen die Kriterien erfüllt, die eine Spende ermöglichen, maximiert eine Opt-out-Regelung mit explizitem Widerspruch die Anzahl derjenigen, durch die eine erfolgreiche Organentnahme zustande kommt.

In der Gesetzesvorlage geht es vor allem auch darum, die Einstellung der Öffentlichkeit bezüglich des Organspendens zu ändern. In Wales bereits seit 2015 in der Umsetzung, haben die Zahlen gezeigt, dass die Zustimmungsrate in der Folge erheblich gestiegen ist.

WAS GESAGT WURDE

Yvonne Carratt, Direktorin bei JMP Solicitors, sagte über die neue Regelung: „Dies wird helfen, viele Leben zu retten, da das alte Gesetz eine so niedrige Zustimmungsrate aufweist.“

Weiter erklärte sie: „Es ist wichtig, dass alle über die neuen Gesetzesänderungen und über alle ihnen zur Verfügung stehenden Optionen informiert sind, um sicherzustellen, dass ihre Wünsche berücksichtigt werden.“

Die frühere Gesundheitsministerin Jackie Doyle-Price sagte: „Laut dem neuen Gesetz wird es immer noch Ihre Entscheidung sein, ob Sie Organspender sein wollen oder nicht - das Organspenden bleibt derweil ein unschätzbares Geschenk.“


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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Sophie Porter, erschienen auf der englischsprachigen Version von Healthcare IT News.

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