Foto: UMIT/ Anna Niederklapfer

Kompetenzförderung in einer digitalen Welt: Jeder soll weiterkommen

Die digitale Transformation erfordert auch neue Kompetenzen der im Gesundheitsbereich Arbeitenden. Mittlerweile bieten Institutionen darauf abgestimmte berufsbegleitende Lernprogramme an. 42.News sprach mit UMIT über deren Erfahrungen mit den ersten Absolventen.

von
Cornelia
Wels-Maug

Immer mehr verbreitet sich die Einsicht, dass die digitale Transformation des Gesundheitswesens auch neuer Fähigkeiten seitens der in diesem Bereich Beschäftigen erfordert. Dazu gehören unter anderem neben dem Wissen über Aufbau, Funktionsweise und Management von Informationssystemen im Gesundheitswesen auch die Kompetenzen, diese zu evaluieren und über verschiedene Teams und Einrichtungen hinweg miteinander interdisziplinär vernetzt arbeiten zu können – gerade auch auf den Gebieten Informatik und Medizin.

Berufsbegleitendes Lernen von Kompetenzen

Fehlen diese Befähigungen, kommt die Digitalisierung des Gesundheitswesens schleppender voran. Um diesem Bedarf Rechnung zu tragen, bieten seit jüngster Zeit einige Institutionen in Europa Fach- und Führungskräften die Möglichkeit an, sich berufsbegleitend speziell diese Inhalte anzueignen. Dazu gehören beispielsweise die „NHS Digital Academy“ des National Health Services (NHS) in England. In Zusammenarbeit mit dem Imperial College London, der Universität von Edinburgh sowie der Harvard Medical School bietet die NHS Digital Academy seit April 2018 ein einjähriges Studienprogramm an, das mit dem „Post Graduate Diploma in Digital Health Leadership“ abschließt.  

Im D-A-CH-Gebiet hat die Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (UMIT) in Hall, Österreich, in Kooperation mit der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck im Jahr 2017 den Masterstudiengang Health Information Management (HIM) (wir berichteten) ins Leben gerufen. Er ermöglicht, einen akademischen Abschluss nach entweder fünf Semestern („Master of Arts“) oder nach drei Semestern („Akademischer Experte/ Akademische Expertin“) zu erlangen. In diesem Jahr graduiert nun der erste Jahrgang der „Akademischen Experten/ Expertinnen“.

Erste Erfahrungen der UMIT: Jeder startet dort, wo er gerade ist

Die Teilnehmer des Online-Studiengangs HIM sind in jeder Hinsicht gemischt: Zwischen 25 und 50 Jahren rekrutieren sie sich aus dem Areal zwischen Kiel bis Basel sowie Berlin bis Bozen. Ihr beruflicher Hintergrund ist vielfältig und beinhaltet neben Ärzten, Pflegefachpersonen, Managern auch Fachkräfte aus Gesundheitsberufen sowie aus dem Qualitäts-, Hygiene- und Prozessmanagement als auch aus technischen Berufen und Informatiker.

Was sie eint, ist der Wille, gemeinsam zu lernen. Die Herausforderung, mit den heterogenen Fähigkeiten zum Lernen als auch mit den divergierenden Wissensständen in der Lerngruppe produktiv umzugehen, schüttelt Professorin Elske Ammenwerth mit einer Kopfbewegung weg: „Wir wenden Konzepte des personalisierten Lernens an. Jeder soll dort, wo er gerade ist, weiterkommen.“ Dass dieses Konzept auch bei den Studierenden ankommt, zeigt sich in einer geringfügigen Abbrecherrate: bisher kam nur einer von den 30 Studierenden mit dieser Art des Lernens nicht zurecht und zog die Konsequenzen.

Letztlich spricht dies für einen an relevanten Kriterien ausgerichteten Auswahlprozess der Kandidaten, wie beispielsweise der Befähigung zum Selbststudium und der Bereitschaft, gemeinsam voneinander zu lernen. Es spricht auch für die Zufriedenheit der Studierenden mit den Inhalten, der Form des Lernens als auch des geforderten Lernpensums. So kann man den Referenzen auf der Webseite der UMIT entnehmen, dass beispielsweise die Medizinerin Verena am Studium besonders „der interaktive und soziale Charakter sowie die freie Zeiteinteilung ohne Präsenzzeiten“, gefällt. Sie empfiehlt daher „dieses Studium allen im Gesundheitswesen, die sich berufsbegleitend zukunftsorientiert weiterentwickeln wollen […]“. Auch Barbara äußert sich positiv über den Studiengang: „Als Medizinische Dokumentarin suchte ich eine Möglichkeit [,] berufsbegleitend einen Masterabschluss zu machen. Das Studium bietet mir genau diese Möglichkeit mit Inhalten, die nahe genug an meiner derzeitigen Tätigkeit als Datenmanager liegen, sodass der Einstieg möglich ist, aber auch breit genug sind, um neue Themengebiete kennenzulernen und mir neue Perspektiven zu eröffnen.“

Damit die Studenten auch eine Balance zwischen dem Berufsleben und dem Studium aufrechterhalten können, gibt es eine sogenannte „Netikette“. „Am Sonntag sollte nicht gepostet werden“, lässt Ammenwerth wissen.

Anforderungen an die Lehrenden

Auch für die Lehrenden bedeutet ein auf reiner Online-Präsenz ausgerichteter Studiengang eine andere Herangehensweise, als der traditionelle Frontalunterricht es bislang erforderte. Ammenwerth erläutert: „Es ist wichtig, dass und wie schnell ich auf die Postings der Studenten antworte, aber auch, dass ich Kommunikationsstränge zusammenfasse und dabei herausarbeite, was richtig oder falsch ist sowie gute Beiträge lobe. Einige Diskussionsbeiträge signalisieren mir auch, dass ich Studierende bei bestimmten Fragen an die Hand nehmen muss.“ Alle Lehrenden an der UMIT müssen eine Schulung und ein Coaching absolvieren. Und da sie sich selbst zu didaktischen Konzepten moderner Weiterbildung fortbilden möchte, nimmt Ammenwerth selbst an dem dreijährigen Online-Masterprogramm „Educational Technology“ der Universität von British Columbia teil.

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