Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Foto: Adam Berry/Stringer

Digitales Register für Implantate soll deutsche Patienten schützen

Vom Herzschrittmacher bis zur Gelenkprothese: eine Online-Registrierung für Implantate soll schon bald in Deutschland verpflichtend sein – und die Patientensicherheit erhöhen.

von
Anna
Engberg

Deutschland soll ein digitales Implantatregister erhalten. So hat es das Bundeskabinett Anfang April beschlossen. Vorgelegt hatte den Gesetzesentwurf der Gesundheitsminister Jens Spahn.

Mit dem neuen Melderegister sollen deutschlandweit systematisch sämtliche medizinischen Implantate am und im Körper deutscher Patienten erfasst werden. Das Ziel: die Qualität und Sicherheit der Medizinprodukte soll steigen.

Produktfehler können über das zentrale Implantatregister dann schnellstmöglich allen betroffenen Patienten mitgeteilt werden. Forscher und Hersteller lernen über das Online-Register außerdem zudem, welche Lebensdauer von einzelnen Implantattypen erwartet werden kann und können Rückschlüsse auf die Qualität und Leistung der implantierenden Gesundheitseinrichtungen ziehen.

Zentrale Datenerfassung für mehr Patientensicherheit

Für die zentrale Datenerfassung der Implantate sowie auch Explantationen ist das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in Köln zuständig. Dabei kommt die deutsche Telematikinfrastruktur zum Einsatz.

Ab circa Mitte 2021 soll die Meldung von Implantaten technisch umsetzbar sein. Ob Hüftgelenkprothese, Herzschrittmacher oder Brustimplantat: Hersteller, Patienten, gesetzliche und private Krankenversicherer, Kliniken und Praxen unterstehen dann gleichermaßen der Meldepflicht und müssen medizinische Implantate verpflichtend im Register registrieren.

Ab welchem Zeitpunkt die einzelnen Implantattypen genau registriert werden müssen, ist noch unklar. Hüftgelenk- und Knie-Endoprothesen seien schätzungsweise bereits ab Mitte 2021 meldungspflichtig, heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriums von Anfang April.

Für den Mehraufwand durch die Registrierung sollen Kliniken und Praxen, die Implantate einsetzen, vergütet werden.

Datenübernahme aus bestehenden Registern

Zudem sollen auch Daten aus den bereits bestehenden Implantatregistern mit bislang freiwilliger Teilnahme übernommen und genutzt werden. Für diese Datenübernahmen wird schon jetzt an den entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen gearbeitet.

Sämtliche Daten registrierter Implantate werden pseudonymisiert verarbeitet.

440.000 Knie- und Hüft-Endoprothesen pro Jahr

Durch die zentrale, digitale Erfassung der Implantate können problematische Produkte frühzeitig identifiziert und vom Markt genommen werden – so die Zielsetzung des Bundesgesundheitsministeriums.

Derzeit werden in Deutschland jährlich 440.000 Hüft- und Knie-Endoprothesen und 65.000 Brustimplantate, etwa nach einer Brustkrebs-Diagnose, bei Patienten eingesetzt.
 

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