HUG setzt KI-Tool von IBM für personalisierte Krebsbehandlung ein

Das Universitätsspital Genf (HUG) ist EU-weit die erste Universitätsklinik, welche die neue KI-Technologie von IBM nutzt. IBM Watson for Genomics wird es den Genfer Onkologen zukünftig ermöglichen, schneller und fundierter zu diagnostizieren.

von
Cornelia
Wels-Maug

IBM Watson Health hat Mitte September auf der Intelligent Health 2019, dem Gipfeltreffen zur künstlichen Intelligenz (KI) in Basel, mitgeteilt, das Unternehmen habe eine Partnerschaft mit dem Universitätsspital Genf (Hôpitaux universitaires de Genève, HUG) unterzeichnet und werde IBMs Watson for Genomics implementieren und nutzen. Damit wird das HUG das erste Universitätsklinikum sein, welches das KI-Tool in der Schweiz und Europa einsetzt.

IBM Watson for Genomics wird es Onkologen in Genf in Zukunft ermöglichen, schneller fundiertere Diagnosen zu erstellen. Die Lösung nutzt Informationen aus Peer-Review-Artikeln, die von Experten validiert wurden, und erstellt einen Bericht für Ärzte, der genetische Veränderungen im Tumor eines Patienten mit den wichtigsten Therapien und klinischen Studien abgleicht.

WARUM DIES WICHTIG IST

Das medizinische Wissen wächst exponentiell. 1950 dauerte es ungefähr 50 Jahre, bis es sich verdoppelte, und Schätzungen zufolge wird dies bis 2020 nur noch drei Monate dauern. Dies macht es für Kliniker unmöglich, auf dem neuesten Stand der Forschung zu bleiben. Mit dem AI-Tool von IBM können die Ärzte am HUG nun jedoch schnell umfangreiche genomische Daten für verschiedene Krebstypen interpretieren und eine individuellere Krebsbehandlung durchführen und so zu besseren Gesundheitsresultaten der Patienten beitragen.

Zunächst wird das HUG die Software nur für besonders komplexe Krebsvarianten anwenden, doch schon nach einem Jahr könnte auf Grundlage einer Nutzenevaluation das Spektrum der Krebspatienten ausgedehnt werden.

Vor dem Einsatz in Europa war die Lösung bereits seit einigen Jahren in Nordamerika und Asien im Einsatz. Laut IBM hat Watson for Genomics die Identifizierungsrate von Patienten an Hand handlungsrelevanter Mutationen in einem südkoreanischen Krankenhaus um 33 Prozent erhöht, die durch manuelle Analyse nicht erkannt wurden.

DER GRÖSSERE TREND

Das Potenzial, Patienten, Ärzte und Krankenhäuser mit KI-basierten Unterstützungssystemen bei der Entscheidung zu helfen, ist immens. Im Jahr 2018 gab es weltweit fast 18,1 Millionen neu diagnostizierte Krebsfälledavon 3,9 Millionen in Europa. Da die Zahl der neuen Vorfälle vor allem aufgrund des demografischen Wandels ständig zunimmt, wird Krebs eine große Belastung für die Gesundheitssysteme bleiben, was innovative Wege zur Bewältigung erfordert.

OFFIZIELLE STELLUNGNAHME

Mark O'Herlihy, Managing Director von IBM Watson Health, EMEA, erklärte auf dem Gipfel, wie schnell IBM Watson for Genomics klinische Erkenntnisse generiert: „Wir helfen Klinikern, Zeit zu sparen. Das Tool führt die Analyse eines vollständigen Gens und der RNA-Sequenzierung in zehn Minuten durch, verglichen mit 160 Stunden bei manueller Analyse.“

Durch die Möglichkeit, Behandlungen auf diesem Weg schneller zu erhalten, haben Patienten eine höhere Chance auf verbesserte Ergebnisse. „Gesundheitswesen ist das Management und die Verbesserung der Gesundheit. KI steht auch für umsetzbare Erkenntnisse. Personalisierte Medizin liefert die Erkenntnisse, anhand derer Kliniker handeln können“, fügte O'Herlihy hinzu.

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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Cornelia Wels-Maug, erschienen auf der englischsprachigen Version von Healthcare IT News.

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