Bewegungssensorik soll Entlassmanagement verbessern

Forschungskooperative entwickelt mobiles System zur Ganganalyse. EU-Fonds investiert jetzt in die „Reha to go“.

von
Anna
Engberg

Alltagsbewegungen kontinuierlich messen – das verspricht ein neues mobiles System mit Sensoren in der Kleidung, das derzeit von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) entwickelt wird.

Ärzte sollen durch die neue Technologie den Genesungsprozess ihrer Patienten nach Entlassung mitverfolgen und Fehlhaltungen beim Gehen frühzeitig erkennen können.

Mit 2,1 Millionen Euro wird das Projekt vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) unterstützt.

DER HINTERGRUND

Für das Projekt „Reha to go“ arbeiten die Forscher der RUB mit der Firma ID4us aus Duisburg zusammen. Weitere Kooperationspartner sind das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenztechnik, die Universitäten Düsseldorf, Duisburg-Essen und Paderborn, die Uniklinik Essen und weitere Partner aus der Wirtschaft.

Die Motivation: falsche Bewegungsmuster durch sensorische Ganganalyse frühzeitig zu erkennen und optimieren zu können.

Häufig fällt Patienten nach längerem Krankenhausaufenthalt, Krankheit oder Operationen an Knie- oder Hüftgelenk das Gehen schwer. Mit einer Vielzahl an Hilfsmitteln und physiotherapeutischen Übungen kann dem entgegengesteuert werden.

Damit sich jedoch keine Fehlhaltungen einschleichen und der Heilungsfortschritt telemedizinisch überwachbar wird, wird derzeit an der neuen Technik „Radio Frequency Identification“, kurz RFID, gearbeitet.

RFID-Tags werden in die Kleidung integriert und überwachen als Miniatur-Lesegerat die Bewegungsabläufe von Armen und Beinen. Gleichzeitig können sie die gemessenen Bewegungen auch analysieren.

Aktuell erforscht die RUB die Rückkopplung der RFID-Technik an hochfrequente Radarsysteme. Soll will man die Etiketten an der Kleidung minutiös nachverfolgen können. Schließlich sollen die Analyse-Ergebnisse den Patienten als Rückmeldung online zur Verfügung stehen.

WAS GESAGT WURDE

„Das Online-Monitoring wird die Behandlungsqualität verbessern, die Patientensicherheit erhöhen und gleichzeitig den Krankenhausaufenthalt verkürzen“, sagt Prof. Dr. Marcus Jäger, Direktor am St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr von der Contilia Gruppe voraus, wo man die neue Technologie nach Gelenkersatz bereits einsetzt.

"Die aufwändige Ganganalyse ist für viele Praxen einfach unerschwinglich”, erklärte Prof. Dr. Thomas Kaiser von ID4us den Status Quo im derzeitigen Entlassmanagement.

DER GRÖSSERE TREND

Durch das EU-geförderte Projekt erhalten zukünftig auch größere Patientengruppen Zugang zu der spezialisierten Behandlung – und der Therapieerfolg wird sich durch die engmaschige, telemedizinische Überwachung frühzeitiger bei den Patienten einstellen.

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