Implantierbare Defibrillatoren

TMU und LMU Forscher untersuchen Nutzen präventiver OPs

von
Anna
Engberg

Implantierbare Defibrillatoren sind ein Novum in der Herzmedizin, durch welche lebensbedrohliche Herz-Rhythmus-Störungen im Ernstfall durch elektrische Impulse korrigiert werden können.

Forscher der Technischen Universität München (TMU) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) haben jetzt im Rahmen einer EU-weiten Studie ein Verfahren entwickelt, welches Patienten identifiziert, die von der Präventiv-OP am ehesten profitieren.

DER HINTERGRUND

Jährlich wird innerhalb der EU bei rund 100.000 Patienten ein implantierbarer Defibrillator eingesetzt. Die vorbeugende Implantation reduziert die Sterblichkeit in den kommenden vier Jahren statistisch gesehen um 43 Prozent.

Doch längst nicht alle Einsätze von implantierbaren Defibrillatoren kommen den Patienten tatsächlich zugute: häufige Risiken und Komplikationen sind zum Beispiel spontane Stromschläge und Infektionen. Hinzu kommt, dass die Technologie äußerst kostspielig ist.

Um Risiken und Kosten für Patienten und Kostenträger zu minimieren, wurde nun die EU-Großstudie durchgeführt, in deren Verlauf man sich bei etwas mehr als 400 von insgesamt knapp 1000 Patienten gegen die anstehende Operation entschied.

Das EKG-Verfahren „Periodic Repolarization Dynamics“ (PRD), welches die TMU- und LMU-Forscher in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Göttingen in diesem Rahmen entwickelt haben, schnitt dabei den Einsatz von den zu implantierenden Defibrillatoren besser auf diejenige Patientengruppe zu, die aus der präventiven Herz-OP den größten Nutzen ziehen würde.

Das EKG-Verfahren nach der neuen PRD-Methode hilft dabei, risikoreiche Instabilitäten bei der Erregungsrückbildung des Herzschlags zu erkennen. Der dabei ermittelte PRD-Wert wurden seitens Forschung verwendet, um die Reduktion der Sterblichkeitswahrscheinlichkeit durch den implantierten Defibrillator zu berechnen.

Im Fazit reduzierte sich die Sterblichkeitswahrscheinlichkeit innerhalb von vier Jahren bei Patienten mit PRD-Wert unter 7,5 Grad um 31 Prozent, bei Patienten mit einem PRD-Wert von 7,5 Grad oder höher dagegen um 75 Prozent. Damit konnten die Forscher einen deutlich größeren Nutzen der Herz-OP für Patienten mit hohem PRD-Wert nachweisen.

WAS GESAGT WURDE

„PRD könnte zu einer wichtigen Entscheidungshilfe für Ärzte werden“, betonte Georg Schmidt, Arbeitsgruppenleiter für Biosignalverarbeitung an der TUM und ergänzte: „Durch die zusätzliche Information könnten wir Menschen, die von einem Defibrillator wahrscheinlich nicht profitieren werden, das Risiko eines Implantats ersparen und uns stattdessen auf diejenigen konzentrieren, deren Leben durch das Gerät mit großer Wahrscheinlichkeit verlängert wird“.

Axel Bauer, der an der Entwicklung und Validierung der PRD-Methode ebenfalls beteiligt war, sagte: „Obwohl hinter dem Verfahren intelligente Algorithmen stecken, ist die Messung doch vergleichsweise einfach.“

DER GRÖSSERE TREND

Um die Ergebnisse tiefergehend zu validieren, sei jetzt eine Untersuchung in weiteren Studien und über einen längeren Zeitraum erforderlich, erklärte der Leiter der EU-CERT-Gesamtstudie Markus Zabel.

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