Könnte Sensortechnologie Datenschutzbedenken bei Überwachungssystemen in Pflegeheimen ausräumen?

Nach Aussage eines Health-Tech Start-Ups könnte eine KI-Lösung Familien von Senioren ein Sicherheitsgefühl bieten.

von
Tammy
Lovell

Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock hat kürzlich eine Zeitungskampagne unterstützt, in der eine obligatorische Überwachung durch Kamerasysteme in Altenheimen gefordert wurde.

Die Aufsichtsbehörde Care Quality Commission (CQC) äußert jetzt jedoch Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre in Bezug auf eine mögliche Videoüberwachung im Wohnumfeld.   

„Was das Wo und Wann des Einsatzes einer solchen Technologie betrifft, so sind wichtige Aspekte wie das individuelle Recht auf Privatsphäre und Würde zu berücksichtigen“, sagte Kate Terroni, Chefinspektorin für soziale Erwachsenenbetreuung bei der CQC.

Sensortechnologie in Kombination mit künstlicher Intelligenz (KI) wurde als eine Lösung vorgeschlagen, die auf Gesundheitsprobleme aufmerksam machen könnte, ohne auf die Privatsphäre der Bewohner überzugreifen.

IoT-Sensoren (Internet of Things) könnten als Alternative zu Kameraüberwachungssystemen eingesetzt werden, um ungewöhnliches Patientenverhalten zu erkennen, beispielsweise wenn sich eine ältere Person lange Zeit nicht bewegt hat, sagte Helen Dempster, Chief Visionary Officer bei Karantis360, einem Start-Up für Gesundheitstechnologie.

„In Kombination mit einem KI-Algorithmus sind Pflegekräfte nach Bestätigung eines Verhaltensmusters in der Lage, sofort Verhaltensänderungen festzustellen, die außerhalb der Norm liegen, oder Situationen zu erkennen, die auf potenzielle medizinische Probleme hinweisen könnten“, fügte sie hinzu.

WARUM DIES WICHTIG IST

Die Fürsorgekampagne für Verwundbare (Care Campaign for the Vulnerable) hat ein Gesetz gefordert, das die Videoüberwachung in Gemeinschaftsbereichen von Wohnheimen vorschreibt, nachdem mehrere Fälle von Missbrauch an älteren Menschen durch Pflegepersonal bekannt wurden.

Die Wohltätigkeitsorganisation Age UK rät mit Blick auf die Installation von Kameras dagegen zur Vorsicht. „Es gibt berechtigte Bedenken im Hinblick auf die Privatsphäre älterer Menschen, insbesondere wenn Kameras in Schlafzimmern und Badezimmern angebracht werden. Außerdem wirft dies Fragen hinsichtlich der Art und Weise auf, wie diese Kameras überwacht werden sollen und wie viel Schutz sie tatsächlich bieten würden“, äußerte Caroline Abrahams, Wohltätigkeitsdirektorin bei Age UK.

Obwohl es den Pflegedienstleistern derzeit freisteht, Videoüberwachungssysteme zu benutzen, wurde keine Gesetzgebung angekündigt, um deren Verwendung durchzusetzen.

Die CQC hat auf ihrer Website Informationen veröffentlicht, die Schlüsselfragen für all jene aufzeigen, die den Einsatz von Überwachung in Betracht ziehen.

DER GRÖSSERE TREND

Mit dem sogenannten „silbernen Tsunami“ hat es unlängst einen technologischen Fortschritt gegeben, um speziell die Gesundheitsprobleme älterer Menschen anzugehen.

So berichteten wir beispielsweise über den deutschen Pflegetech-Dienstleister Media4Care, der Tablet-basierte Systeme einsetzt, um Menschen mit Demenz zu unterstützen und den kognitiven Abbau sowie die soziale Isolation zu verringern.

In Finnland werden ältere Menschen von staatlicher Seite dazu ermutigt, im eigenen Zuhause zu bleiben, was dazu geführt hat, dass nach technologischen Lösungen gesucht wird, welche die Pflege innerhalb der Gemeinschaft verbessern.

OFFIZIELLE STELLUNGNAHMEN

„Wir wissen, dass die richtige Technologie Menschen wirklich befähigen und ihnen dabei helfen kann, ihre Unabhängigkeit zu bewahren und ihren Gesundheitszustand unter Kontrolle zu haben“, sagte Abrahams von Age UK. „Um jedoch effizient zu sein, müssen wir mehr in die Support-Systeme rund um die Geräte investieren und diese erforschen, um sicherzustellen, dass sie einsetzbar und erschwinglich sind und dem Benutzer und seinen Betreuern helfen.“

Ein Sprecher des britischen Ministeriums für Gesundheit und Soziales gab an, dass es Lösungen zu unterstützen gelte, „die den Pflegedienstleistern helfen, reaktionsschneller, flexibler und effizienter zu betreuen“.


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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Tammy Lovell, erschienen auf der englischsprachigen Version von Healthcare IT News.

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