Noch im Chaos, Veränderung kommt: die EPA für Ärzte

2020 bringt einen Durchbruch, so die Prognose leitender Ärzte: weniger Stress durch elektronische Patientenakten für die Anbieter, sobald die wachsende Datenflut mit einer Gesundheits-IT einhergeht, die auf die EPA optimal abgestimmt ist.

Umfassende Digitalisierungsbemühungen in der gesamten Gesundheitsbranche zielen darauf ab, die Versorgung, Effizienz und Interoperabilität zu verbessern. Trotzdem sorgen elektronische Patientenakten bei Ärzten vielfach für zusätzlichen Stress.

Vor allem Ärzte, die täglich bereits mit großen Datenmengen zu tun haben, befürchten, dass elektronische Patientenakten nur dann ihren Nutzen entfalten, wenn weitere Technologien implementiert werden, mit denen sich die Daten unmittelbar am „Point of Care“ in verwertbare klinische Informationen umwandeln lassen.

Daten-Ebenen in der EHR

Derzeit gebe es eine größere Bandbreite an Daten und mehr Datenquellen als je zuvor, erklärte Dr. Jay Anders, leitender Arzt bei Medicomp Systems, einem auf KI-basierte Systeme spezialisierten Unternehmen, das auf die Optimierung der EPA abzielt.

Dies sei größtenteils das Ergebnis aufkommender „Datenkriege“ unter den nationalen Technologie-Riesen, die sich zunehmend mit dem Gesundheitswesen befassen.

So haben sowohl Amazon als auch Apple und Google etwa in den letzten Wochen Pläne angekündigt, ihre Gesundheitsversorgung zu verbessern.

Jeder dieser Technologie-Riesen hofft, die Branche mit Hilfe von Technologien voranzubringen, die fortgeschrittener Analytik, maschinellem Lernen und dem Leistungsvermögen der Cloud zum Durchbruch verhelfen.

Gesprochene Konversation als EPA-Text

Amazon etwa führt ein Transkriptionstool ein, das gesprochene Gespräche zwischen Patient und Arzt aufzeichnet, die Information in Text überträgt und als Notiz in der EPA des Arztes speichert.

„Während es den Technologie-Giganten darum geht, wichtige Daten benutzerfreundlicher zu erfassen, müssen wir auch berücksichtigen, dass viele Ärzte bereits täglich mit einer Datenlawine zu tun haben“, sagte Dr. Anders gegenüber Healthcare IT News. „Aus praktischer Sicht führt die Tatsache, dass nun noch mehr Daten zu verarbeiten sind, zu einer Zunahme von Stress für den Arzt und begünstigt damit letztendlich einen Burnout - insbesondere angesichts des zunehmenden Drucks, in der Interaktion mit Patienten noch mehr zu dokumentieren, gleichzeitig bessere Ergebnisse zu erzielen und die Kosten zu senken.“

Die Antwort liege im Wesentlichen darin, Ärzten genau zu richtigen Zeitpunkt das zu geben, was sie brauchen, um klinische Entscheidungen zu treffen und bessere Resultate für die Patienten zu erzielen. Dies sei ein Ansatz, der die Pflegequalität verbessert, die Frustration beim Arzt und den Stress verringert, der zum Burnout führen kann, erklärte Anders.

„Alle Technologien, die Ärzten und Pflegepersonal helfen, ihre Arbeit besser auszuführen, sind ein willkommener Fortschritt“, sagte er. „Letztendlich benötigen Ärzte jedoch bessere Daten - nicht nur mehr Daten -, um eine bessere Versorgung zu gewährleisten.“

Wird 2020 ein Jahr des Durchbruchs?

Anders zufolge ist es wahrscheinlich, dass 2020 tatsächlich ein Jahr des Durchbruchs sein könnte, in dem EPA für Gesundheitsdienstleister weniger anstrengend werden, jedoch nur, wenn die wachsende Datenflut auch mit einer Gesundheits-IT einhergeht, welche die EPA besser unterstützt – etwa, indem unterschiedliche Daten am Ort der erbrachten Dienstleistung in verwertbare klinische Informationen umgewandelt werden.

„Dieser Ansatz wird die Arbeitsabläufe von Ärzten rationalisieren, um die Produktivität zu steigern, die Einhaltung von Vorschriften zu erleichtern und Stress abzubauen, was wiederum das Burnout-Risiko verringert“, sagte Anders.


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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Nathan Eddy, erschienen auf der englischsprachigen Version von Healthcare IT News.

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