Telemedizin für Risikopatienten

Charité Berlin erarbeitet mit Telemed5000 Sicherheitskonzept für kardiologische Fernbetreuung

von
Anna
Engberg

Herzpatienten und all diejenigen, denen ein Risiko für chronische Herzinsuffizienz diagnostiziert wird, könnten zukünftig von einer verbesserten Regelversorgung profitieren.

Die Weichen dafür stellt derzeit die Charité Berlin, die im Forschungsverbund Telemed500 ein strategisches Sicherheitskonzept erarbeitet, das mittels künstlicher Intelligenz (KI) die Fernüberwachung von mehreren tausend Patienten pro Telemedizinzentrum sicherstellen soll.

Telemed5000 wird über die kommenden drei Jahre mit 4,5 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert.

DER HINTERGRUND

Rund 2,5 Millionen Deutsche leiden an chronischer Herzinsuffizienz mit einem jährlichen Zuwachs von 300.000 Patienten. Die Universitätsmedizin der Charité Berlin hat sich deshalb das Ziel gesteckt, nicht nur akut Betroffene, sondern auch Risikopatienten zukünftig telemedizinisch zu betreuen.

Damit dies gelingt und die Versorgung in der Breite funktioniert, müssen Telemedizinzentren zukünftig nicht nur wie bisher üblich 500, sondern mehrere Tausend Patienten fernbetreuen können.

Künstliche Intelligenz in Form von KI-Algorithmen, Deep Learning und intelligente Wearables nebst Smartphone der Patienten sollen dabei der Schlüssel zum Ausbau der telemedizinischen Versorgung in der breiten Regelversorgung sein, heißt es in einer Pressemitteilung der Berliner Universitätsmedizin.

Geplant ist der Einsatz von KI-Analysetools zur Vorverarbeitung der EKGs, welche die Patienten zuhause durchführen. Weiterhin sollen Patienten in Zukunft neben herkömmlichen Waagen und Blutdruckmessgeräten auch intelligente Wearables und ihr Smartphone einsetzen, um Vitalparameter zu erfassen. So könnten dann über die Beobachtung von körperlichen Aktivitäts- und Sprachmustern Frühdiagnosen möglich werden – ohne die finanziellen und zeitlichen Kapazitäten der telemedizinischen Zentren zu sprengen.

WAS GESAGT WURDE

„Bisher fehlt es allerdings an technischen Innovationen, um den rund 200.000 betroffenen Risikopatienten in Deutschland eine telemedizinische Mitbetreuung anbieten zu können“, kommentierte Prof. Dr. Friedrich Köhler, Leiter des Zentrums für kardiovaskuläre Telemedizin den aktuellen Stand. Auch müsse bei den noch zu testenden Anwendungen den Datenschutzanforderungen genau entsprochen werden.

GUT ZU WISSEN

Hintergrund und Ausgangspunkt des telemedizinischen Forschungsprojekts Telemed5000 ist die Fontäne-Studie der Charité, die in Kooperation mit zwei Krankenkassen über fünf Jahre untersuchte, wie sich die telemedizinische Mitbetreuung von 1500 Herzpatienten auf deren Lebenserwartung auswirkte. Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 10,2 Millionen Euro geförderte Studie wies nicht nur nach, dass sich die Lebenserwartung verbesserte, sondern auch, dass die stationäre Aufenthaltsdauer der Patienten hierdurch reduziert werden konnte.

DER GRÖSSERE TREND

Für die erfolgreiche Umsetzung des gesteckten Vorhabens hat sich die Charité mit dem Hasso-Plattner-Institut (HPI) der Universität Potsdam und dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) verpartnert. Außerdem kooperiert die Berliner Universitätsmedizin mit den Unternehmen GETEMED Medizin- und Informationstechnik und SYNIOS Document & Workflow Management.

In Österreich findet parallel ein Partnerprojekt am Austrian Institute of Technology (AIT), Österreichs größter außeruniversitärer Forschungseinrichtung, statt.

Weitere Informationen finden Sie HIER

Gesünder mit App

Weniger Einweisungen bei COPD

Genant und doch erkannt!

Digitale Konsultation des „Intimarzts“

App Wettbewerb auf der Medica

Hand aufs Herz – oder noch besser aufs Smartphone?