Telenotarzt - ein Modell für die Zukunft

Nach erfolgreicher Pilotphase eines „Telenotarzt-Systems“ in Aachen soll die telemedizinische Begleitung von Rettungskräften jetzt auf das ganze Bundesland ausgedehnt werden.

von
Anna
Engberg

Seit 2014 erprobt die Kommune Aachen in Nordrhein-Westfalen ein telemedizinisches Notarztsystem im Rettungswesen. Nun hat Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales von Nordrhein-Westfalen, das Pioniermodell aus Aachen in Augenschein genommen – und kündigte Mitte Mai an, die Versorgungsform voraussichtlich auf das gesamte Bundesland ausdehnen zu wollen.

Der Hintergrund

Rettungskräfte müssen im Ernstfall eigenverantwortlich handeln und medizinische Entscheidungen treffen – obwohl ihnen mitunter das medizinische Fachwissen fehlt. Damit Patienten jedoch optimal versorgt und Risiken auf ein Minimum reduziert werden, hat die Stadt Aachen schon vor fünf Jahren den „Telenotarzt“ eingeführt.

Dabei werden die Rettungskräfte bei der Notfallversorgung von Patienten mit einer Telenotarzt-Zentrale verbunden und können noch während ihres Einsatzes hochqualifizierte, fachkundige Mediziner direkt und ohne Zeitverzögerung am Unfallort konsultieren. Diese sind durch Live-Schaltung virtuell mit vor Ort und können den Rettungssanitätern so beratend zur Seite stehen. Zum Einsatz kommen neben der Telekommunikationstechnologie auch moderne Diagnosetechniken.

Seit seiner Einführung hat der Telenotarztdienst in Aachen über 15.000 Notfall-Einsätze begleitet – und gilt inzwischen als Vorbildmodell für Nordrhein-Westfalen.  Sogar eine parallele Betreuung von mehreren Einsätzen zugleich durch den Telenotarzt ist über die Leitstelle möglich.

Was gesagt wurde

„Das Telenotarztsystem bietet für unser Bundesland großes Potential. Es kann die Einsatzkräfte in Ihrer Arbeit optimal unterstützen und unser sehr gut funktionierendes Rettungssystem sinnvoll ergänzen“, sagte der Gesundheitsminister bei seiner Live-Begutachtung.

Zwar hätten sich bisher nur wenige Kommunen beteiligt, doch seien die Vorteile für Patienten und Rettungskräfte nicht von der Hand zu weisen: „Deshalb mache ich mich für eine flächendeckende Umsetzung in Nordrhein-Westfalen stark. Dazu laufen derzeit auf unterschiedlichsten Ebenen intensive Gespräche“, kündigte Laumann an.

Auch Dr. Stefan Beckers, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Aachen, hielt die telemedizinische Einsatzunterstützung für eine gute Ergänzung zum bestehenden Rettungswesen: „So stellen wir jederzeit zuverlässig die notfallmedizinische Expertise am Einsatzort sicher und fördern die effiziente Disposition von Einsatzmitteln und Kompetenzen“, erklärte er.

Telemedizinische Expertise am Notfallort senkt Kosten – und spart Zeit

Die schnellst- und bestmögliche Behandlung von Menschen in Notfallsituationen ist jedoch nicht der einzige Vorteil der telemedizinischen Begleitung von Rettungseinsätzen. In der Notfallversorgung könnten so außerdem Kosten eingespart werden, sagte Dr. Marc Felzen, Ärztlicher Leiter beim Telenotarztdienst in Aachen.

„Wenn wir das System nicht hätten, müssten wir weitere Notarzt-Fahrzeuge in Dienst nehmen und logischerweise auch den zusätzlichen Notarzt bezahlen“, betonte Felzen. Mit dem vorhandenen System müsse der Notarzt nur dann gerufen werden, wenn dessen physische Anwesenheit tatsächlich erforderlich sei.

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