Tracing-App für die Schweiz

Die Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI) empfiehlt Proximity Tracing zur Eindämmung von SARS-CoV-2.

von
Anna
Engberg

Digital eingesetzte Hilfsmittel gewinnen im Kampf gegen die Ausbreitung der SARS-CoV-2-Pandemie zunehmend an Bedeutung.

In der Schweiz hat die Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI) jetzt in einem Positionspapier eine klare Empfehlung für den Einsatz des „Proximity Tracings“ ausgesprochen.

DER HINTERGRUND

Angesichts vieler Unklarheiten innerhalb der globalen Coronakrise wie der Möglichkeit einer zweiten Welle und ungeklärter Fragen zu möglichen Re-Infektionen und Impfungen, steht sogenanntes Proximity Tracing als Ergänzung zum herkömmlichen Contact Tracing in der Schweiz aktuell zur Debatte.

Proximity Tracing Apps messen den physischen Abstand und die Dauer des Zusammentreffens zweier Personen via Bluetooth-Verbindung der Smartphones. Somit schließen sie die Lücke der nicht-erinnerlichen Kontakte und helfen Bürgern in der gegenwärtigen Situation mittels Bluetooth-Technologie auf Ihrem Smartphone bei der Rückverfolgung ihrer Kontakte.

Proximity Tracing ermöglicht somit ein agiles, frühzeitigeres Intervenieren im aktuellen COVID-19-Geschehen durch die schnellere Isolierung von Kontaktpersonen.  

Dieser Zeit-Faktor bringt aus Sicht der SGMI einen „gesundheitliche(n), volkswirtschaftliche(n), aber auch persönliche(n) Nutzen, wie z.B. Bewegungsfreiheit bei einer zweiten Welle“. Deshalb sei der Nutzen einer Proximity Tracing App „weit grösser zu gewichten als Bedenken bezüglich dem vorbildlichen Datenschutzdesign der geplanten Applikation“, heißt es im Positionspapier der SGMI, mit dem sich die Organisation für den zeitnahen Einsatz einer entsprechenden App, sobald verfügbar, ausspricht.

Der Schutz der Privatsphäre innerhalb einer Proximity Tracing App für die Schweiz werde durch eine dezentrale, anonyme Datenspeicherung „vorbildlich berücksichtigt“, betonte die SGMI in ihrer Mitteilung. Zusätzlich soll die Nutzung freiwillig als Opt-in-Modell erfolgen.

Die Sensibilisierung innerhalb der Schweizer Bevölkerung für die Relevanz der Nutzung sowie auch im klinischen Setting sei jedoch notwendig und proaktiv zu unterstützen, heißt es in dem Empfehlungsschreiben weiter.

Bei einem positiven COVID-19 Nachweis sei eine schnelle Meldung durch die User wichtig, betont die SGMI und empfiehlt hierfür Anreizsysteme. Von langwierigen Prozessen bei der Gesetzgebung und Regulierung, um eine solche App auf den Weg zu bringen, rät sie dagegen ab.

Nach Ansicht der SGMI soll der Einsatz einer solchen App ergänzend zum klassischen Contact Tracing „unbedingt gefördert werden“, unter der Voraussetzung, dass nationale Richtlinien wie die Empfehlungen des BAG und der Gesetzgebung eingehalten sind.

WAS GESAGT WURDE

Prof. Dr. Jürg Blaser, Präsident der SGMI, betonte: „Die Verwendung der App ist nicht nur ein solidarischer Beitrag, sondern indirekt auch von grossem persönlichem Nutzen, weil dadurch sowohl das Risiko einer aktiven Übertragung auf Familie und Freunde reduziert als auch generelle Einschränkungen der Freiheitsrechte bei der Bekämpfung weiterer Wellen verhindert werden können. Der mündige Bürger erhält damit auch ein Instrument zur Ausübung von Selbstbestimmung und Selbstverantwortung.“

Er sagte weiter: „Es sollte ein kommunizierbares Ziel sein, periodische Lockdowns mittels viel weniger einschneidenden Massnahmen möglichst zu vermeiden. In der Schweiz und international stehen wir vor der Herausforderung, die möglichst flächendeckende Verbreitung von solchen Proximity Tracing Apps zu fördern. Zumindest in Island scheint es mittlerweile gelungen zu sein, mehr als die Hälfte der Menschen vom Konzept des proximity tracing zu überzeugen.“ 

GUT ZU WISSEN

Laut Berichten im Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) und Pressemitteilungen arbeitet das Software-Unternehmen Ubique in Zusammenarbeit mit den Schweizer Hochschulen bereits an der Umsetzung einer Schweizerischen Proximity Tracing App.

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