COVID-19: „Ein Turbo-Boost zur Beschleunigung der Digitalisierung“

Eine der größten Universitätskliniken Europas setzt auf den Einsatz von Apps und Online-Sprechstunden, um Patienten während der gegenwärtigen Krise beizustehen. Interoperabilität ist dabei essentiell, da digitalisierte Prozesse verstärkt an Bedeutung gewinnen.

von
Cornelia
Wels-Maug

Nach Ansicht von Dr. Peter Gocke, Chief Digital Officer (CDO) der Charité Universitätsmedizin Berlin, hat die Einrichtung bei der Bewältigung der drängenden Herausforderungen angesichts COVID-19 davon profitiert, dass digitale Prozesse bereits eingeführt waren. Im jüngsten Webinar der Reihe „Talking Points“, das von der HIMSS D-A-CH Community veranstaltet wurde, ging er u.a. darauf ein, wie die Gemeinschaft der Anbieter Gesundheitsdienstleister am besten unterstützen könnte. 

WARUM DIES WICHTIG IST

In Krisenzeiten sei es unerlässlich, bestehende Lösungen effektiv an die jeweiligen Erfordernisse anpassen zu können anstatt neue kaufen zu müssen, sagte Gocke, der Mitglied im HIMSS-Vorstand ist.

Er forderte die Akteure der Branche auf, sich auf die Bereitstellung von Lösungen zu konzentrieren, die Daten über die verschiedenen Behandlungspunkte hinweg integrieren und dabei bestehende Datenstandards wie SNOMED und LOINC nutzen, anstatt Lösungen zu entwickeln, die nur einen kleinen Teil eines Workflows unterstützen und dabei auf herstellerspezifische Datenformate zurückgreifen. An Stelle von Systemen, die auf den Austausch von Dokumenten ausgerichtet sind, befürwortete er die Entwicklung von Plattformen, die die gemeinsame Nutzung von strukturierten Daten in Echtzeit ermöglichen.

Vor allem aber plädierte Gocke dafür, Patienten einzubinden und sich nicht allein auf den Aufbau eines Netzwerks von Gesundheitsdienstleistern zu konzentrieren. Hierfür regte er die Schaffung sicherer digitaler Kanäle zu den Patienten an, denn die Rolle der Patienten als Hüter ihrer medizinischen Daten bleibe aus seiner Sicht – auch im digitalen Zeitalter – unverändert. So glaube er, dass Krankenhäuser in einem föderalen Gesundheitssystem wie dem deutschen weiterhin darauf vertrauen, dass Patienten den Gesundheitseinrichtungen ihre medizinischen Daten zur Verfügung stellen.

Gocke, überdies als Digital Transformation Officer tätig, würdigte, dass sich die Digitalisierungsbemühungen der letzten Jahre, einschließlich der Integration klinischer, administrativer und pädagogischer Prozesse, in der aktuellen Situation auszahlen. Die bestehende VPN-Infrastruktur ließ sich erweitern und ermöglichte die Schaffung von Home-Office-Funktionen für Administratoren. Auch die Investition in die Kollaborationsplattform „Microsoft Teams“ habe sich als kluger Schachzug herausgestellt. Darüber hinaus erwies sich laut dem CDO die Implementierung einer Online-Ausbildungsplattform für Studenten als erfolgreich. Die Plattform ermöglicht es derzeit, 90 Prozent des Unterrichts online abzuhalten.

Sowohl die Online-Plattform der Charité für die Videokonsultation als auch ihre Telepräsenzlösung sind in den letzten Wochen während des Coronavirus-Ausbruchs erheblich erweitert worden. Das wohl bekannteste Ergebnis der Krise ist jedoch die COVID-19-App der Charité, die so genannte CovApp, mit der Menschen durch die einfache Beantwortung einiger Fragen online feststellen können, ob sie getestet werden müssen.

DER GRÖSSERE KONTEXT

Angesichts der anhaltenden Ausbreitung der COVID-19-Pandemie sind die Krankenhäuser hinsichtlich ihrer Kapazitäten zur Bewältigung des Ansturms infizierter Fälle zunehmend gefordert. Auch nach der Krise, wenn wir weniger durch COVID-19 bestimmt seien, würden uns andere Viren weiterhin beschäftigen, betonte Gocke. Der CDO drängte deshalb darauf, die Strukturen, die während der gegenwärtigen Krise schnell aufgebaut wurden, zu evaluieren und neu zu konfigurieren, damit sie bei einem künftigen Notfall sofort verfügbar seien.

WAS GESAGT WURDE

„Die Pandemie hat uns gezeigt, in welchem Maße Patienten von Apps profitieren. Sie ist eine Art Turbo-Boost zur Beschleunigung unserer Bemühungen im Bereich der Digitalisierung“, sagte Gocke.

Er fasste zusammen: „Meine wichtigsten Erkenntnisse aus der Coronavirus-Krise waren bisher technischer Natur: Wir brauchen eine offene und transparente Kommunikation, um Strukturen und Prozesse anzugehen, die nicht länger funktionieren. Darüber hinaus ist es effektiv, Projekte an kleinere Teams zu delegieren und Bürokratie abzubauen. So haben wir es geschafft, unsere Online-Videoklinik hochzufahren. Zwei Mitarbeiter und drei Studenten haben innerhalb von drei Wochen 150 Arbeitsplätze eingerichtet und Kollegen geschult.“
 

Das Webinar „Talking Points“ mit Dr. Peter Gocke, Chief Digital Officer der Charité Universitätsmedizin Berlin, wurde von Armin Scheuer, Vizepräsident für Geschäftsentwicklung bei HIMSS International, moderiert und von der HIMSS DA-CH Community veranstaltetDie vollständige Aufzeichnung in deutscher Sprache finden Sie hier.


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Dies ist eine Übersetzung eines Artikels von Cornelia Wels-Maug, erschienen auf der englischsprachigen Version von Healthcare IT News.

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