Digitale Sprechstunde kommt in Deutschland in die Umsetzung

Anbieter für digitale Sprechstunden bei Online-Ärzten drängen auf den deutschen Markt. Erstattung gibt es vorerst nur für Privatversicherte.

von
Anna
Engberg

Auch Deutschland macht sich – langsam, aber allmählich – auf den Weg, die bereits seit April 2017 gesetzlich zugelassene digitale Videosprechstunde für die Arzt-Patient-Kommunikation umzusetzen.

Nachdem die Schweiz digitale Arztbesuche bereits kassenübergreifend erstattet und auch in Großbritannien und Schweden Videochats mit dem Arzt bereits Teil der medizinischen Versorgung sind, zieht man hierzulande jetzt nach.

DER HINTERGRUND

Seit Anfang Dezember hat der schwedische Anbieter KRY sein medizinisches Angebot von Online-Ärzten auf den deutschsprachigen Raum expandiert. Die Erstattung gibt es vorerst jedoch nur für Privatversicherte. Die Übernahme durch die gesetzlichen Kassen ist jedoch bereits in der Vorbereitung und soll ab 2020 in die Umsetzung kommen.

Die Folgen der digitalen Kommunikation werden somit jetzt auch für deutsche Ärzte und Patienten spürbar: Schon jetzt können sich in Deutschland zugelassene Ärzte parallel zu ihrer Tätigkeit in der Praxis für die Teilnahme an den Online-Sprechstunden über das KRY Ärzte-Portal bewerben. Damit ergibt sich ein für sie völlig neues Arbeitsumfeld.

Patienten haben im Umkehrschluss von frühmorgens bis spätabends Zugriff auf die medizinische Fernberatung und Diagnostik via App. Darüber hinaus können sie über die KRY App auch elektronische Rezepte, Krankschreibungen und Überweisungen erhalten, die sich in regulären Apotheken sowie auch in Online- und Versand-Apotheken einlösen lassen.

Mit der Digitalisierung des Arztbesuchs werden Patienten somit mobiler und flexibler, da unnötige Wartezeiten, überfüllte Wartezimmer und lange Anfahrtswege entfallen.

Rund 1,2 Millionen Downloads verzeichnete der schwedische Telemedizin-Anbieter KRY nach eigener Angabe seit seiner Gründung in 2014. „Wir haben mehr als eine Million Sprechstunden durchgeführt“, teilt Christina Koehn, General Manager bei KRY, mit und ergänzt: „Unsere Vision ist es, einen flexiblen Gesundheitsmarkt, der die Bedürfnisse des Patienten ins Zentrum stellt, mitzugestalten.“

Wer den Videochat mit dem Arzt in Anspruch nimmt, zahlt unter der Woche für die  Beratung zwischen 30 bis 40 Euro pro Termin, heißt es bei KRY. Die deutschen Privatkassen erstatten diese Kosten bereits schon jetzt.

WAS GESAGT WURDE

„Die von KRY angebotene Online-Sprechstunde eröffnet Ärztinnen und Ärzten eine völlig neue und zeitlich flexible Möglichkeit, die bestehende Behandlung unserer Patienten individuell und zukunftsorientiert zu ergänzen“, erklärte Dr. Monika Gratzke, Medizinische Direktorin bei KRY und Fachärztin für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie.

Medizinische Qualität und Patientensicherheit stünden dabei an erster Stelle, betonte sie: „Besonders in Akutfällen und bei eingeschränktem Zugang zu medizinischer Betreuung kann so ohne zusätzlichen zeitlichen Aufwand eine hochqualitative Versorgung gewährleistet werden.“

So sprechen die Eckdaten der Online-Sprechstunden für sich: „Spätestens nach 20 bis 30 Minuten meldet sich ein Arzt. Wir arbeiten mit einer Zahl von Ärzten in Deutschland zusammen und sind unter der Woche von 7 bis 22 Uhr und an den Wochenenden von 8 bis 20 Uhr erreichbar“, sagte Gratzke.

DER GRÖSSERE TREND

Das schwedische Start-Up ist nicht der einzige Anbieter für digitale Sprechstunden am deutschen Gesundheitsmarkt: mit dem Münchner Start-Up TeleClinic und Zava alias Dr.Ed gibt es bereits weitere etablierte Anbeiter, die Ärzte mit deutscher Approbation und Facharztausbildung beschäftigen.

GUT ZU WISSEN

KRY ist ein schwedisches Gesundheitsunternehmen, das europaweit agiert und Patienten über die KRY App digitale Arzttermine per Videochat bietet. Derzeit beschäftigt das Jungunternehmen 500 Mitarbeiter und 600 Ärzte, welche ihre Online-Konsultationen via App aktuell in fünf EU-Ländern zur Verfügung stellen: darunter Schweden, Norwegen, England und Frankreich.

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