Visitenroboter im Einsatz

Berliner Krankenhäuser setzen während der Pandemie auf robotisch gestützte Tele-Visiten auf der Intensivstation. Unter Charité-Leitung soll dadurch die Belegung der Intensivbetten in Berlin und die Versorgung von COVID-19 Fällen optimiert werden.

von
Anna
Engberg

Insgesamt 25 Visitenroboter sind aktuell im Einsatz an Berliner Krankenhäusern und unterstützen die intensivmedizinische Betreuung von Patienten während der COVID-19-Pandemie mit rund 60 virtuellen Visiten pro Tag.

Das teilte die Charité Universitätsmedizin Anfang Mai in einer Pressemitteilung mit.

DER HINTERGRUND

Die Robotik-Assistenz zur Tele-Visite auf Intensivstation ist Bestandteil des Charité-Konzepts Save (Sicherstellung der akuten, intensivmedizinischen Versorgung im Epidemiefall Covid-19), das einrichtungsübergreifend die Belegung von Intensivbetten in der Hauptstadt koordiniert.

Während die mit ihrem Lungen-Zentrum hochspezialisierte Charité Universitätsklinik sich auf die Schwerstkranken unter den COVID-19-Patienten konzentriert – Patienten mit akutem Lungenversagen, welche eine ARDS/ECMO-Therapie benötigen – werden weniger schwer kranke, jedoch beatmete COVID-19-Patienten nach diesem Konzept auf die Intensivstationen von insgesamt 16 Berliner Krankenhäusern, die als „Level 2“-Häuser eingestuft wurden, umverteilt und dort behandelt. Die Behandlung von Normalpatienten und leichten COVID-19-Fällen findet weiterhin an allen 38 Notfallkrankenhäusern in Berlin statt.

Die Charité-Experten unterstützen ihre Kollegen dabei beratend über die Video-Kommunikationsplattform sowie durch die robotisch gestützten Tele-Visiten, bei welchen über den Visitenroboter u.a. Beatmungsgeräte eingestellt oder Medikamente dosiert werden können. Der Roboter ist dabei stets in Begleitung eines Experten des jeweiligen Krankenhauses, die Resonanz der Patienten sei bislang durchweg positiv, teilten Ärzte vom Campus Benjamin Franklin in Berlin-Steglitz mit.

Die telemedizinisch unterstützte Visite auf der Intensivstation bietet viele Vorteile für Patienten und Ärzte: indem der behandelnde oder zusätzlich beratende Arzt per Video und Audio zugeschaltet wird, kann dieser den Patienten aus nächster Nähe begutachten. Die Technologie ermöglicht sogar genaues Heranzoomen. Gleichzeitig wird einer unnötigen Infizierung von ärztlichem Personal vorgebeugt.

Bei dem eingesetzten Modell RP Vita handelt es sich um eine fahrbare Plattform mit montiertem Tablet, welche die Arzt-Patient-Kommunikation drahtlos ermöglicht. Der Arzt kann den Roboter mittels Laserscanner, Ultraschall- und anderen Sensoren durch das Krankenhaus navigieren, Patientendaten abrufen, sich mit Diagnosegeräten verbinden und den Patienten sogar mit Stethoskop abhören.

WAS GESAGT WURDE

Dr. Björn Weiß, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin von der Charité Berlin beschreibt die Tele-Visite mit dem Visitenroboter: „Die Vita kann mit der Kamera nahe an den Patienten heranfahren. Wir erarbeiten gemeinsam mit dem Behandlungsteam vor Ort Strategien und können im Bedarfsfall beraten und unterstützen.“

Prof. Dr. Claudia Spies, Direktorin derselben Klinik, sagte: „Wir stellen die intensivmedizinische Erfahrung der Charité und den evidenzbasierten Wissensstandard breit zur Verfügung und unterstützen die Versorgung intensivpflichtiger Patienten auf anderen Intensivstationen in der Region – dieser kollegiale Austausch ist im Ernstfall bei Beatmungspatienten enorm wichtig.“

GUT ZU WISSEN

Der seit drei Jahren erfolgreich erprobte Visitenroboter ist Teil des vom Innovationsfond geförderten Projekts ERIC (Enhanced Recovery after Intensive Care), welches auf die Vermeidung unerwünschter Langzeitfolgen nach intensivmedizinischen Behandlungen durch evidenzbasierte Therapie und Qualitätsindikatoren abzielt und von der Charité als Konsortialführerin umgesetzt wird.

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