Google DeepMind sagt mit KI-Algorithmus Nierenversagen vorher

Implementierung in deutschen Krankenhäusern denkbar?

von
Anna
Engberg

Ein neues KI-System der Google-Tochter DeepMind ist in der Lage, akutes Nierenversagen bis zu 48 Stunden früher als in bisherigen Verfahren vorauszusagen – und könnte Mediziner zukünftig dabei unterstützen, Risiken für Nierenpatienten früher zu erkennen. Diese Ergebnisse veröffentlichten jetzt an einer US-Langzeitstudie beteiligte deutsche und österreichische Forscher in der Fachzeitschrift „Nature“.

Der Studie zufolge gelingt die Vorhersage von Verschlechterungen des Zustands bei Nierenpatienten, welche zeitnah eine Dialyse benötigen, in über 90 Prozent aller Fälle. In fast 56 Prozent aller Fälle können Patienten über das KI-System zudem bis zu zwei Tage vor dem Eintreten erfolgreich vor einem akuten Nierenversagen gewarnt werden. Tests und Maßnahmen könnten entsprechend frühzeitiger eingeleitet werden.

DER HINTERGRUND

Im Rahmen der US-Studie wurden die elektronischen Gesundheitsdaten von über 700.000 erwachsenen Patienten an mehr als 170 stationären und über 1000 ambulanten Einrichtungen erfasst und für die Vorhersage von akutem Nierenversagen aufbereitet. Für das KI-System kommt ein Deep-Learning-Algorithmus zum Einsatz, der auf einem künstlichen neuronalen Netz basiert.

Das 2010 gegründete Unternehmen DeepMind, das auf die Programmierung von künstlicher Intelligenz spezialisiert ist und seit 2014 der Google-Gruppe angehört, fokussierte sich bei seinem neuen Untersuchungsverfahren auf den Kreatininanstieg im Serum.

Kritik, die an der Studie geäußert wurde, beinhaltete u.a., dass diese mit einem Frauenanteil von nur 6 Prozent nicht repräsentativ sei. Außerdem kämen auf jedes richtig vorhergesagte Nierenversagen zwei Fehlalarme. Die Vorhersagequalität der KI für akutes Nierenversagen sei damit noch steigerungsfähig, so der einstimmige Konsens unter den Forschern.

Deutsche Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut merkten zudem an, dass der KI-Algorithmus erst noch an die deutsche Patientenpopulation angepasst und mit deutschen Datensätzen trainiert werden müsse.

WAS GESAGT WURDE

An deutschen Kliniken hält man das KI-System von Deepmind dennoch für vielversprechend: "Das in der Studie entwickelte Vorhersagesystem könnte in Zukunft in Krankenhäusern implementiert werden, um Risikopatienten frühzeitiger zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einleiten zu können", sagte Kai Schmidt-Ott, Professor für Nephrologie an der Charité Berlin.

Thomas Neumuth, Vizedirektor des Innovation Center Computer Assisted Surgery (ICCAS) an der Universität Leipzig, äußerte Bedenken, dass die IT-Infrastruktur an den deutschen Kliniken hierfür noch nicht ausgereift sei. Neumuth sagte: „Die für die KI notwendigen Daten liegen zwar meist bereits in digitaler Form in verschiedenen Abteilungen vor, werden aber nicht zusammengeführt“. Übergreifende und umfassende Analysen wie beim DeepMind KI-Algorithmus seien daher in Deutschland zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht durchführbar.

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