Wie innovativ ist Deutschland?

Auf dem Weg zu einer patientenzentrierten Versorgung bedarf es einer Menge an innovativen Ideen. Diese sind zwar auch in Deutschland zahlreich vorhanden, aber die Innovationskultur ist langatmiger und schwerfälliger. Was kann man ändern?

von
Cornelia
Wels-Maug

Wie kann es gelingen, ein neues, patientenzentriertes Gesundheitsökosystem in Deutschland zu errichten? Mit dieser Frage eröffnete Dr. Nana Bit-Avragim, Chief Strategy Office und Chairwoman Xpomet Advisory Board auf der Medica im vergangenen November die Podiumsdiskussion zu dem gleichlautenden Thema. 

Warum eine solche Transformation des Gesundheitssystems in Deutschland überhaupt notwendig ist? Dmitri Katz, Diabetes TechReview, lieferte darauf sofort die Antwort: Die Versorgung der Kranken in Deutschland sei zwar gut, denn primär handele es sich bei dem deutschen Gesundheitssystem um ein Krankensystem für akute Erkrankungen, aber es stoße an seine Grenzen, wenn es um das Management chronischer Krankheiten gehe. Hierfür sei eine grundlegende Änderung des Lebensstils erforderlich und diese meistert ein Betroffener viel eher, wenn er in ein patientenzentriertes Gesundheitsökosystem eingebunden sei. Aber wie kommt man dorthin und wie kann man innovative Kräfte dafür am nutzbringendsten einsetzen? Und schließlich ist die Innovationskultur in Deutschland darauf ausgerichtet?

Wie innovativ ist Deutschland?

Im Vergleich zu anderen Märkten haben wir zwar auch viele innovative Ideen, aber deren Umsetzung geschieht nicht schnell genug, lautet die Einschätzung von Joscha Hofferbert, Lead Organizer Hacking Health. „In San Francisco werden Innovationen schnell umgesetzt, obwohl die Ingenieure dort nicht besser als die in Deutschland sind“, bemerkt Katz, „aber sie sind besser darin, Träume zu verkaufen“, ist seine Diagnose. Und Mali M. Baum, Founding Partner und CEO Wlounge UG, findet, dass in Deutschland oft technologische Hürden oder regulatorische Beschränkungen Innovationshindernisse darstellen. Laut ihrer Auffassung sind die Investoren im D-A-CH-Gebiet generell eher risikoavers und zögerlich. Viele Wissenschaftler steckten in den Universitäten fest, die über deren IP-Rechte verfügten. „Innovation gedeihen viel schneller im Silicon Valley oder Tel Aviv“, bekräftigt Baum und verweist darauf, dass in anderen Ländern mehr Finanzmittel für Innovationen zur Verfügung stehen.

„In Deutschland werden die Ideen in der Regel in der Forschung generiert und müssen viele Stufen durchlaufen, um sich vor ihrer Umsetzung unter Beweis stellen zu können“, ist die Wahrnehmung von Hofferbert. Dass diese Prozesse vom Schutz der Privatsphäre als auch von Qualitätsanforderungen flankiert sind, schätzt er, jedoch drängt er darauf, dass Ideen in wesentlich kürzerer Zeit daraufhin überprüft werden sollten, ob sie patiententauglich seien. Dies würde den gesamten Innovationsprozess verkürzen. Gerade in dieser Hinsicht sieht er das Potenzial von Start-ups, als Innovationstreiber auf dem deutschen Markt erfolgreich zu wirken. 

Das Gesundheitssystem der Zukunft: Disruption erwünscht

Das Wesentliche ist, das Gesundheitswesen von der Patientenperspektive her zu denken. Aus dieser Intention heraus können dann sowohl Versorgungsstrukturen als auch Lösungen entwickelt werden, die es Individuen ermöglichen, länger gesund zu bleiben beziehungsweise ihnen im Krankheitsfall solche Hilfsmittel zur Hand zu geben, die es ihnen erlauben, ihre Erkrankung im Alltag bestmöglich zu managen. Verfügbarkeit von Informationen und Wissensvermittlung spielen dabei eine große Rolle sowie der Ausbau eines Ökosystems von multidisziplinären Dienstleistern. Bit-Agram verleiht diesem Gedanken Ausdruck: In ihrer Vision eines neuen Gesundheitssystems steht der Patient im Mittelpunkt, es gibt keine Hierarchien und alles ist durch den erzeugten Nutzen sowie die Resultate verbunden. 

Aber bis es dazu kommt, bedarf es noch einiger Innovationen. Jedoch stimmt das Fazit der Sitzung positiv: Eine gute Infrastruktur für Innovationen ist schon vorhanden und es steht außer Frage, dass Berlin momentan der Innovationshub in Deutschland ist. Tjasa Zajc, Business Developer IRYO, rät: „Als Start-up sollte man ein Jahr in den USA im Vertrieb arbeiten, zumindest aber einen amerikanischen Vertriebsleiter in Deutschland einstellen.“

Basis für neue Innovationen

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