Zuerst zum Facharzt: Population Health Studie bringt neue Erkenntnisse über Österreicher

Eine neue Querschnittsstudie aus Österreich zeigt, dass Patienten häufiger als früher direkt zum Spezialisten gehen.

von
Anna
Engberg

Österreichische Patienten nehmen häufiger Gesundheitsdienste in Anspruch als noch vor einigen Jahren. Dabei gehen sie bevorzugt direkt zum Facharzt und konsultieren seltener als früher im Vorfeld einen Allgemeinmediziner. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer neuen Querschnittsstudie aus Österreich.

Die Population Health Studie, die am 1. April im European Journal of Public Health veröffentlicht wurde, untersuchte die Zugangspunkte österreichischer Patienten zum Gesundheitssystem und ihr Nutzungsverhalten bei Gesundheitsdiensten an den verschiedenen Ebenen der Österreichischen Gesundheitsversorgung.

Studie vergleicht Bevölkerungsdaten von 2007 und 2014

Für die Vergleichsstudie wurden Bevölkerungsdaten aus den Jahren 2006/2007 mit solchen aus dem Jahr 2014 verglichen, um die zeitliche Entwicklung zwischen den beiden Befragungszeiträumen, Unterschiede und mögliche Trends in der Gesundheitsversorgung ausmachen zu können.

Für die beiden Österreichischen Gesundheitsumfragen wurden jeweils insgesamt knapp 15.800 Patienten befragt.

Dabei wurden auch demografische Faktoren wie die geografische Region des Wohnortes, Alter, Geschlecht, Familiensituation, Herkunftsland bzw. Migrationshintergrund und Bildungsniveau berücksichtigt. Mit dem Querschnittsvergleich der erhobenen Daten sollen Veränderungen im Nutzungsverhalten aufgezeigt werden: Hauptanliegen der aktuellen Studie war die Beobachtung des Zugriffs auf Gesundheitsdienste über einen zeitlichen Verlauf hinweg.

Die Ergebnisse im Überblick

Wie aus der Studie und einer Pressemitteilung der Europäischen Gesellschaft für Public Health (EUPHA) von Mitte April hervorgeht, ist die Nutzung von Gesundheitsdiensten in Österreich von 2006/2007 bis 2014 demnach allgemein angestiegen. Einen besonderen Zuwachs verzeichneten die Zweitversorger mit einem Anstieg von rund 6 bis 7 Prozent.

Österreicher gehen zunehmend oft direkt zum Facharzt

Der Zugriff auf Fachärzte stieg sogar um 10,8 Prozent an, die Nutzung ambulanter Krankenhausdienste um 4,1 Prozent, heißt es bei der EUPHA. In beiden Fällen konsultierten die Patienten die Spezialisten ohne vorhergehenden Besuch beim Allgemeinmediziner.

Einen besonderen Anstieg verzeichnete die Studie bei den Dermatologen mit einem Zuwachs von rund 10,3 Prozent an Patientenbesuchen ohne vorherigen Hausarztbesuch. Aber auch Internisten, Augenärzte und andere Fachärzte wurden häufiger ohne Allgemeinmediziner im Vorfeld aufgesucht.

Der größere Trend

Obwohl sich das Gesundheitssystem in Österreich und die möglichen Zugänge der Patienten zur Gesundheitsfürsorge nicht verändert haben, ist ein Anstieg in der Nutzung von Gesundheitsdienstleistungen durch die Zweitversorger zu verzeichnen - mit einem geringeren Prozentsatz an Patienten, die zunächst den Hausarzt konsultieren und sich überweisen lassen.

Mit Blick auf Kostensenkungen und Pflegequalität gebe dies Anlass zur Besorgnis, heißt es bei der EUPHA. Die Population Health Studie verweise damit auf einen möglichen Trend weg von der medizinischen Primärversorgung als direktem Einstiegspunkt in die Gesundheitsversorgung.

Die Studie erschien im European Journal of Public Health und wurde über eine Pressemitteilung der Österreichischen Gesellschaft für Public Health (ÖGPH), seit 2000 Mitglied der European Public Health Association (EUPHA), publik gemacht.

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